Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

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Ecka rdr:

Veränderungen, welche hauptsächlich durch das römische Recht in
demselben bewirkt worden sind. Die meisten Eigeuthümlichkeiten des
teutschen Erbrechts schwanden, und namentlich wurde der Unterschied
zwischen männlichem und weiblichem Geschlechte hinsichtlich der Suc-
cession fast gänzlich verdrängt; womit sich denn der Gesichtspunkt,
von welchem der bis jetzt entwickelte Rechtsgedanke ausging, verlor.
Eine nothwendige Folge war daher, daß jene Versorgungen hinter-
lassener Gattinnen seltener wurden, und daß ihnen, wenn sie noch
geschahen, ein anderes Motiv zu Grunde liegen mußte, welches th e i ls,
wie wir gesehen haben, darin bestand, daß der Mann der
F r a u s e i n e n G e n u ß i h r e s E i n g e b r a ch t e n v e r g e l t e n w o l l-
te, theils aber, wie sich in der folgenden Periode ergeben wird,
lediglich in dem Hinblick auf das Traurige des Wit-
wenstandes zu suchen ist. —
Zedoch nicht durchgängig und bei allen Klassen der menschlichen
Gesellschaft drang das römische Erbrecht durch, namentlich wider-
stand ihm hartnäckig der Adel, und zwar hauptsächlich mit aus dem
Grunde, daß den Weibern nicht gleiches Successionsrecht als den
Männern verschafft würde. Daher darf es uns nicht Wunder neh-
men, wenn sich unser Rechtöinstitut von jetzt besonders bei den Lehen-
und Fideicommißgütern des Adels findet, und zwar hier ganz in al-
ter Kraft und Weise.

8. 18.
6. Noch eine neue Gestaltung des Leibgedings l,3J.
Die Reichthümer des Adels bestanden hauptsächlich in Liegen-
schaften, in welche die Weiber nicht succedirten. Damit diese aber
nicht gänzlich leer ausgingen, wurde durch Geld für sie Sorge ge-
tragen; bei ihrer Verheirathung brachten sie dieses mit in die Ehe.
Dieses Eingebrachte findet sich zuweilen in Familienstatuten ein für
allemal bestimmtll4). Hierdurch war auch zugleich schon mit auf
113) Alles hier Gesagte findet seine Bestätigung in den Ehepacten zwi-
schen Herzog Albrecht von Baiern und Kunigunden von Oestreich
aus dem Jahre i486 , denen wir ihrer Länge wegen hier keinen
Platz gönnen konnten. Sie finden sich bei Emminghaus: corp.
jur. germ. acc. 2te Auff. S. 111.
114) Eichhorn: Staats - und Rechtsgesch. II. §.428.429. Beispiele aus
der neueren Zeit bei Emminghaus a. a. O. S. 865.

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