Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

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Eckardt:

nova nupta comatur.« Weil demnach Tacitus die Geschenke, um
welche sich der Bräutigam die Braut erwarb, dos nennt, so könnte
man geneigt sein anzunehmen, er habe dos und emUonis pretium
nicht recht unterschieden; jedoch möchte ich das keineswegs billigen,
vielmehr scheint mir gerade diese Stelle des scharfsichtigen Tacitus
eine nicht unbedeutende Zugabe zu dem Beweise der von Grimm 3)
ausgesprochenen Ansicht zu sein, daß dos und Kaufpreis im eng-
sten Bezüge zu einander gestanden haben, ja gewissermaßen dasselbe
gewesen seien. Nach der Meinung jenes Gelehrten nämlich gab
der Freiwerber der Familie der Braut den Kaufpreis, diese aber
händigte ihn wenigstens zum Theil wieder der Braut aus. Sonach
wäre denn die Stelle des Tacitus so zu verstehen, daß der Mann
seiner Frau nicht unmittelbar, sondern mittelbar dadurch eine dos
gebe, daß er der Familie derselben das übliche Lösegeld einhändige,
und diese es wieder der Frau zu den Zwecken der dos zustelle. Je-
doch möchte es bei dem gänzlichen Mangel gleichzeitiger Quellen ein
erfolgloses und noch dazu geringes Resultat erstrebendes Bemühen
sein, der Sache weiter nachzuspüren, wir wollen uns daher sogleich
zur Untersuchung der Natur und des Zweckes der dos wenden. Da
uns aber hierfür die taciteischen Quellen nicht den geringsten An-
haltepunkt bieten, so müssen wir unser Augenmerk auf die der Zeit
nach nächsten Quellen, auf die Volksrechte lenken.
§. 2.
Die dos der Volksrechte
Ein nicht minder fruchtloses Bestreben als das eben von der
Hand gewiesene würde es sein, die dos der Volksrechte mit den
bei Tacitus Vorgefundenen Spuren derselben in Verbindung zu setzen;
nur das möchte zur Unterstützung der von mir gegebenen Erklärung
der taciteischen Stelle anzuführen sein, daß es nicht befremden kann,
wenn nach den Volksrechten, wie wir sogleich sehen werden, die
Frau die dos nicht mittelbar, sondern unmittelbar vom Manne er-
hält. Denn es lag natürlich sehr nahe, daß, nachdem es sich ge-
wohnheitsmäßig festgestellt hatte, daß die Frau von ihrer Familie
das für sie gegebene Lösegeld zur dos ausgehändigt bekam, diese
Weitläufigkeit allmählig vermieden wurde, indem der Mann ihr un-

5) a a. O. S. 423 flg.

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