Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

Von der Einkindschaft. 4M
Wenn man davon ausgeht, daß die Stiefeltern durch die Ein-
kindschaft die Rechte leiblicher Eltern erlangen, so wird man wohl
der letzteren Meinung sein müssen, während von unserem Stand-
punct die zweite als die richtigere erscheinen möchte. Rach unserer
Ansicht ist, wie bemerkt, die Einkindschaft mit einer materiellen ehe-
lichen Gütergemeinschaft ausis Innigste verbunden. An eine solche
reihet sich aber bekanntermaßen als unmittelbare Folge nach dem
Tod eines Ehegatten eine analoge Fortsetzung des Verhältnisses zwi-
schen dem überlebenden Parens und den Kindern von selbst an 40).
Weiter gehen jedoch die Wirkungen der Communion an und für sich
nicht. Zur Fortsetzung der Einkindschaft in einer späteren Ehe deS
Stiefparens wäre jedenfalls wieder ein besonderer Vertrag noth-
wendig, gegen dessen Zulassung übrigens mehrere Gründe, vornehm-
lich sittlicher Natur, sprechen 4I). Dieser unserer Ansicht folgt denn
auch die Mehrzahl der Statuten42). Mehr nur in indirektem Zu-
sammenhänge mit unserem Zweck steht die Streitfrage, ob die Ein-
kindschaft ein gemeinrechtliches Institut sei oder nicht. Mei-
nes Erachtens hängt deren Beantwortung hauptsächlich von dem
Begriff ab, den man mit dem Wort „gemeinrechtlich" verbindet.
Reyscher hat jüngst in dieser Zeitschrift überzeugend dargethan,
daß man in Deutschland unter gemeinem Recht im Allgemeinen das-
jenige Recht zu verstehen habe, welches in Ermangelung besonderer
Satzungen und Gewohnheiten der einzelnen Staaten zur Anwendung
kommt, und daß dieser Begriff sowohl für das fremde recipirte, wie
für das eigenthümlich deutsche Recht maßgebend sein müsse43). Das
deutsche Privatrecht findet nun im Allgemeinem seinen Stoff in dem,
was im lebendigen Organismus des deutschen Rechts die Bedeu-
40) Vrgl. Runde ehel. Güterr. §. 111.
41) Vrgl. von der P sordien a. a. O. S. 298 f.
42) z.B. Schw einfu rter Statut, Tit. 56. §. 9. Lippe'sche Verordn.
§. 26. Nro. 2. Ho he nlo h. Landr. Th. r. Tit. 6. §. 10. Preuß.
Landr. Th I. Anh. §.103. Bamb. Landr. Th. H. Anh. 1. §. 13.
Anh. 2. tz 7. Verordn, vom Jahr 1699 über die Einkindsch. aus
dem deutschen Ordensgebiet an der Tauber Nro. VI.
und VII. in Arnold's Beiträgen zum deutschen Privatr. Th. I.
S. 756.
43) Bd. 10. Heft 1. S. 153. s. Vrgl. auch Beseler Volksr. und
Juristenr. Kap. l. 5.
Zeitschrift f. deutsche- Recht. >u. Band r.H.

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