Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

Hillebrand: Von der Einkindschaft. 421
strebte man, nach Art der Jurisprudenz jener Zeit, diesen Punct
mittelst des römischen Rechts aufzuklären. Hierzu bot die Adop-
tion, bei der ebenfalls Verhältnisse fingirt werden, wie sie zwischen
rechten ehelichen Kindern und ihren Eltern Vorkommen, so viel
Analoges dar, daß man in ihr die Lösung der Aufgabe zu finden
glaubte* * 3 4). Doch verkannten bald selbst die vorzüglichsten Verbreiter
dieser Theorie, wie z. B. Fichard^), der Verfasser der Frankfur-
ter Reformation, und der Solmser Landesordnung, keineswegs, daß
ein nicht wegzudemonstrirender Unterschied zwischen dem einheimi-
schen und dem fremden Institut bestehe, aber ohne daß sie sich da-
durch veranlaßt gefunden hätten, das Princip der Lehre auf einem
anderen Wege zu suchen.
In der That, schon der Zweck beider Institute gestattete eine
solche Zusammenstellung nicht, denn er erscheint als ein völlig ver-
schiedener. Bei der Adoption beabsichtigt man Entstehung der väter-
lichen Gewalt, bei der Einkinschaft dagegen in der Regel zunächst
Vermeidung der Vermögensnachtheile, welche den mit seinen Kin-
dern in einer fortgesetzten Gütergemeinschaft lebenden parens su-
perstes bei seiner Wiederverheirathung nach deutscher Gewohnheit
mehr oder weniger zu treffen Pflegen.
2. S. 150 f.) nachzuweifen sucht, daß solche schon vor der
Mitte des vierzehnten Jahrhunderts vorkomme. Von einer Theo-
rie des Instituts konnte übrigens dazumal natürlicherweise noch
keine Rede sein; auch findet sich dasselbe in Statuten schwerlich vor
dem Ende des fünfzehnten und Anfang des sechzehnten Jahrhunderts.
3) Schon in einer Frankfurter Urkunde vom Jahr 1484 wird
die Einkindschaft mit der Adoption zusammengeworfen. Siehe
Beseler a. a. O. S. 156. Aus eben diesem Gestchtspunct be-
trachtet dann eines der ältesten Statute über die Einkiudschaft
das von Ulr. Zasius verfaßte Freiburger Statut vom I. 1520
(tract. Hl. tit 4. fol. 62 f.) das Institut. Zu den Schriftstellern,
welche diese Theorie vertheidigten, gehören vornehmlich: I. Fi-
chard (consilia II. 1590), Andr. Gail (pract. obs liber II. obs.
125. 15 78), 95. Musculus tde succ cond et anom. dass, pri-
mae membr. tert., quo pact. un. prol. explicant. 1607 ), I. Schil-
ter (prax. jur.Rom. in foro Germ, tom I. exerc. 3017.), B etsiUs
(de stat, et consuet- fam illustr. et nob c. V. p. 30 31.), Herm.
BUltejus (Gons. Marpurg vol. I. cons. 8. nro 2) U- Ä. M.
4) Vergl. 1. c. nro 2.

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