Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

Das Wesen der Jntestaterbfolge.

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dem väterlichen Großvater, resx. seinen Nachkommen, zufallenden
Antheils, weiter zur Erbschaft gelangen müßte. Sind keine Nach-
kommen von der väterlichen Großmutter da, so würde ebenso in
weiterer Ermangelung der väterlichen Großmutter ihre Linie an ihre
Stelle treten. Die mütterliche Hälfte der Erbschaft würde sich dann
nach denselben Grundsätzen wie die väterliche vererben. Sind keine
Verwandte von der väterlichen Seite vorhanden, so fällt die Erb-
schaft bloß an die Verwandten der mütterlichen Seite und ebenso
umgekehrt an die Verwandten der väterlichen Seite, wenn keine
mütterlichen da sind. Sind keine Verwandte von dem Zweig einer
Linie oder Unterlinie vorhanden, so fällt die Erbschaft an den an-
dern Zweig, und sind auch die Verwandte einer Linie oder Unter-
linie weggefallen, so fällt die Erbschaft an die Verwandten der nächst-
siehenden Linie oder Unterlinie.
Unser System nähert sich also einerseits dem Systeme des Cocte,
sofern dieses auch ein Nepräsentationsrecht durch Verwandte überhaupt,
aber nur bezüglich der Eltern, nicht der weiteren Voreltern aner-
kennt. Andererseits nähert sich unser System dem System des östrei-
chischen Gesetzbuchs, indem dieses das dem Repräsentationssystem nächst-
stehende System, die Linealfolge, und zwar mit Consequenz, durch-
geführt hat.
Gegen unser System, sowie das System des östreichischen Ge-
setzbuchs kann auch nicht mit Grund eingewendet werden, daß es
eine zu große Berechnung zur Folge haben, und die Erbschaft in
zu kleine Theile zersplittern würde. Denn jene Zersplitterung ent-
spricht der ausgleichenden Gerechtigkeit und dem in der Erbfolge
liegenden fortlaufenden Gedanken; in das System selbst wird man
aber auch deßhalb bei einer nur geringen geometrischen Anschauungs-
gabe sich leicht zurechtfinven.
Das Princip des Repräsentationssystems ist allerdings höchst
einfach, aber diese Einfachheit schließt eine reiche Gliederung in sich.
Will man eine unterschiedslose Einfachheit haben, so führe man das
römische Cognatensystem bei den Verwandten ein. Dann bedarf es
nur eines Artikels, der da heißt: Sind keine Abkömmlinge vor-
handen, so erben die weiteren Verwandten nach der Nähe des Gra-
des, Verwandte gleichen Grades theilen nach Köpfen.

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