Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

402

Hoffmann:
gelangen, oder schon an die Stelle eines verstorbenen Elterntheils
treten können. Die erste Fraction der Linealfolge nähert sich der
Linealgradualfolge mehr. Sie unterscheidet sich aber von derselben
wesentlich dadurch: daß die Abkömmlinge zwar nur nach der ganzen Li-
nie, von welcher sie abstammen, und nicht schon an die Stelle eines abge-
gangenen Gliedes derselben; dagegen aber nicht erst nach den Stamm-
haltern der sämmtlichen Linien gleichen Grades, wie bei der Lineal-
gradualfolge, an die Reihe kommen. Dieses System findet sich in
dem preußischen Landrechte, jedoch nur in Beziehung auf das Ver-
hältniß der Geschwister und ihrer Nachkommen zu den Eltern, nicht
der weiteren Seitenverwandten zu ihren Eltern und Voreltern: da
weiter hinaus im preußischen Landrechte die Gradualfolge des römi-
schen Rechtes gilt. Die andere Art der Linealfolge ist im östreichi-
schen Gesetzbuch und zwar consequent in Beziehung auf alle Ascen-
denten und ihre Nachkömmlinge durchgeführt.
Eine tiefere Einsicht in die Stellung der Abkömmlinge zu ihren
Eltern, vermöge welcher das Vermögen von diesen auf jene sich
sortpflanzt, führt jedoch dahin, das Vermögen zuerst an die durch
einen Stamm, beziehungsweise Stammtheil verbundenen Mitglieder,
also an das jüngere Geschlecht und dann an den Stamm selbst ge-
langen zu lassen. Zwischen diesen Systemen stehen zwei andere in
der Mitte, welche sich auch in der Geschichte vorfinden. Nach dem
einen ist zwar der verfallene Erbtheil bestimmt, an die durch den
Stamm verbundenen Mitglieder zu gelangen, ist diesen verfangen,
soll in der Familie verbleiben, jedoch zuvor an die einzelnen Eltern
und Voreltern, und von da an deren Abkömmlinge weiter herunter
kommen, gleichwie der Verstorbene sein Vermögen (unmittelbar oder
mittelbar) von den Eltern oder Voreltern erhalten hat. Die Eltern
sollen mit anderen Worten den Nießbrauch am Vermögen des Ver-
storbenen haben, und dasselbe ihren Abkömmlingen aufbehalten.
Nach dem obigen zweiten Systeme ist also das von den Eltern aus-
gegangene Vermögen des Verstorbenen an die anderen Kinder der
einzelnen Elterntheile vergeben worden; nach dem letzteren Systeme
soll es durch die Eltern an die Geschwister erst vergeben werden,
wie es an den Verstorbenen vergeben ward. Dieses System fin-
det sich in Beziehung auf den Vater und die von demselben abstam-
menden Kinder im römischen kaiserlichen Rechte vor der Novelle 118.—
Nach einem andern Systeme soll zwischen den Eltern, beziehungsweise

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer