Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

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Hoffma n n:
mehr ein Hauptbestandtheil des Mobiliarvermögens wurde, sondern
auch das sonstige Mobiliarvermögen mehr in seinem Werthbestande
als in seiner individuellen Beschaffenheit rechtlich erscheinen ließ, hatte
an vielen Orten das Verschwinden der Mobiliargemeinschaft zur
Folge, so daß hier nur eine Gemeinschaft der Errungenschaft mit dem
Nießbrauch des überlebenden Ehegatten übrig blieb, wogegen an
anderen Orten aus demselben eine allgemeine Gütergemeinschaft
hervorgieng. Die eingebrachten Capitalien, sowie das übrige Mo-
biliarvcrmögen nach seinem Geldwerthe fielen dort nach dem Tode
des einen Ehegatten den Kindern, Verwandten und Erben dessel-
ben zu; der überlebende Ehegatte behielt bloß den Nießbrauch dar-
an. — Der Unterschied zwischen dem Mobiliar- und Immobiliar-
vermögen verlor allen Halt im Bewußtsein des Volkes, wenn der-
selbe auch in vielen Landrechten noch äußerlich anerkannt blieb. Nur
die beiden Systeme, Errungenschaftsgemeinschast und allgemeine
Gütergemeinschaft machten fich den Rang streitig; man neigte sich bald
mehr zu dem einen, bald zu dem andern hin, je nachdem man die
Gemeinschaft der Ehegatten in Bezug auf das Vermögen streng
oder weniger streng auffaßte. Die vorzugsweise Berücksichtigung
der Errungenschaftsgemeinschaft vor der Mobiliargemeinschaft, inso-
fern diese nicht in eine allgemeine Gütergemeinschaft übergegangen
war, gab sich auch durch verschiedene Verordnungen und Gerichts-
aussprüche späterer Zeit, welche sich dem Zeitgeist mehr anschloßen
und die alten Landrechte verschiedentlich abänderten, deutlich zu erken-
nen. So hat z. B. in dem Katzenellenboger Landrecht des Groß-
herzogthums Hessen die Mobiliargemeinschaft als das ältere Princip
eine vorzugsweise Berücksichtigung vor der Errungenschaftsgemein-
schaft, die hier nur einen untergeordneten Rang einnimmt, gefun-
den. Als Folge hiervon gilt in diesem Landrechte der Grundsatz,
daß der überlebende Ehegatte, welcher die ganze fahrende Habe
erbt, alle Schulden, sowohl eheliche als voreheliche, mit Ausnahme
gewisser näher bezeichneten Immobiliarschulden zu bezahlen verbun-
den ist. Eine großherzoglich hessische Verordnung vom 2. März
1795 bestimmt indessen, daß das errungenschaftliche Vermögen, be-
ziehungsweise die Erben desselben für die in der Ehe contrahirten
Schulden zu haften haben. — Ein Präjudiz des höchsten Tribunals
zu Darmstadt ändert das Katzenellenboger Landrecht insoweit ab,
als es bei beerbter Ehe nur die errungenschaftlichen Mobilien

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