Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

34a

Das Recht der Erbgüter.
Erbgut soll auf die rechten Erben kommen. Daher soll jeder Te-
stirer die Existenz und den Belauf desselben angeben, und dabei soll
es bleiben, es sei denn, daß die rechten Erben ein anderes bewei-
sen durch ein Zeugniß des Gerichts oder des Raths der Stadt, wo
der Erblasser eine Erbschaft erhoben hat. Dieses letztere erklärt sich
nämlich daraus, daß er dasjenige, was er in Hamburg selbst er-
erbt hat, in der Regel nicht wagen wird zu verschweigen oder un-
richtig anzugeben, wohl aber was ihm von auswärts zugefallen ist.
In dem zweiten Capitel behandelt der Verfasser die Aus-
nahmsfälle, in denen das Recht auf Successton in die Erbgüter und
folglich das Widerspruchsrecht gegen letztwillige Dispositionen über
dieselben ganz oder theilweise wegfällt, und zwar 1) die renunciati-
ven Erbverträge, 2) die Legate zu Gottes Ehr und ad pias causasr
3) den gesetzlich sanctionirten Retorsionsfall, wonach Solche, die
einem Staate oder einem Orte angehören , in welchem über Erbgut
disponirt werden kann, in Hamburg keine Verfügung über Erbgut
anfechten können, und 4) die gesetzlichen Enterbungsfälle, theils
puniendi causa, theils bona mente.
Besonders ausführlich sind hier die renunciativen Erbverträge
behandelt. Indessen bedauern wir uns auch hier mit dem Verfasser
durchaus nicht einverstanden erklären zu können.
Derselbe unterscheidet zwischen eigentlichen Erbverzichten,
d. h. Verzichtleistungen auf das Erbgut, und den Abfindungs-
verträgen zwischen Aeltern und Kindern. Daß nun die Ersteren,
wenn die Renuncianten den Testator überleben, diesem Letzteren
freie Disposition über das Erbgut gewähren, versteht sich von
selbst. Bei den Letzteren dagegen hat der Verfasser ganz übersehen,
daß darin ja nur eine Abfindung aus der Vermögens-Gemein-
schaft (Were) liegt, daß also das, was der Abgefundene erhält,
nur ein reelles Aequivalent ist für seinen ideellen Antheil am Sammt-
gute, daß ihm dagegen das Erbrecht, welches ihm als Intestat-
erben kraft seiner Blutsgemeinschaft zusteht, unverkürzt bleibt. Da
nun das Widerspruchsrecht gegen Verfügungen über Erbgut sich auf
die Gemeinschaft nicht des Vermögens, sondern des Blutes grün-
det, so wird es durch die Abfindung in der Regel gar nicht berührt,
insofern nicht ein besonderer Verzicht darauf Statt gefunden hat,
wo dann aber nicht die Abfindung, sondern der Verzicht das Wirk-
same ist.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer