Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

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Pauli:
den Kindern abzutheilen, zur zweiten Ehe schritt, und nun nach dem
Tode des zweiten Ehegatten es sich bei der Auseinandersetzung zwi-
schen den Kindern erster und zweiter Ehe von der Ausmittelung des
Guts des gemeinsamen Parens handelte (Statut von 1292 E. 14.
Statut von 1497. J. 16). Mithin würde es sich, auch wenn diese
Auffassung die richtige und allein mögliche wäre, sehr wohl erklären,
daß der fragliche Artikel auch noch in den Statuten von 1292 und
1497 ausgenommen worden ist.
Dieß ist, wie gesagt, die eine Auffassung, die der Artikel zu-
läßt. Allein faßt man denselben näher in's Auge und berücksichtigt
man das nahe verwandte Lübische Recht, so leidet es keinen Zweifel,
daß derselbe einen anderen und weiter gehenden Sinn hat. Er sagt
doch ganz klar, daß freilich Eheleute, was sie an Grundstücken zu-
sammen kaufen, auch frei veräußern können, daß aber nach dem
Tode des Einen, dem Ueberlebenden dieß ohne der Erben Consens
nicht zusteht, weil nämlich das erkaufte Grundstück nun Erbgut ge-
worden sei. Nach den ganz allgemeinen Worten des Artikels ist
also das ganze Haus, auch was vom Gute des Ueberlebenden
darin steckt, Erbgut geworden: es ist es ferner ebensowohl Ln
den Händen des überlebenden Ehegatten, als der anderen gesetz-
lichen Erben des verstorbenen. In dieser Maaße war es nach den
von mir darüber beigebrachten Zeugnissen denn auch in Lübeck früher
ausgemachten Rechtens *), und ich zweifle nicht, daß die alteren
Hamburgischen Stadterbebücher, wenn der Verfasser sie zu Rathe
gezogen hätte, das Gleiche ergeben haben würden. — Es ist daher
eben so wenig der Deutung Cr 0 pp's beizupflichten, welcher diesen
Artikel so versteht, daß ein von Eheleuten zusammen erkauftes Grund-
stück nicht für den überlebenden Ehegatten, sondern für die ander-
weiten Erben des Verstorbenen Erbgut werde 1 2), noch auch mit dem
Verfasser in den Anfangsworten des Artikels das „und" disjunctiv,
also gleichbedeutend mit „oder" zu nehmen: welcher Auslegung
besonders die folgenden Worte: „de wile dat se beide leuet" wider-
streiten.
Allein eben die nach unserer Meinung allein richtige Auffassung

1) Vgl. meine Abhandlungen aus dem Mischen Rechte. I. S. 78—92.
II. 93—96. 129-139.
2) Juristische Abhandlungen H. S. 557, Note 224.

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