Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

Fränkisches ehliches Güterrecht. 29
Je nach dem Umfange, welchen die Rechte dieser Classe dem
gemeinschaftlichen Vermögen der Eheleute gelassen haben, zerfallen
sie nun in zwei Untere lassen.
Die Rechte der ersten Unterklasse haben nicht nur jene Stamm-
güter, welche vordem zwar bei kinderloser Ehe rückfällig, aber
während der Ehe nicht von dem übrigen Gute geschieden waren,
sondern auch die von dem einzelnen Gatten in die Ehe gebrachten
oder während der Ehe ererbten Liegenschaften sind aus der Gemein-
schaft ausgeschieden. Die Aufhebung der Verfangenschast führte
nothwendig den Unterschied zwischen den von dem überlebenden und
den von dem verstorbenen Gatten eingebrachten Liegenschaften
herbei, indem ersterer fortan das Eigenthum seiner Immobiliar-
Jllaten nicht mehr zu Gunsten der Kinder verlor, und das römische
Recht konnte nur die Ansicht begünstigen, daß die dem einzelnen
Gatten oder seinen Erben bei Trennung der Ehe bleibenden inferirten
Liegenschaften auch schon während der Ehe sein Sondereigenthum
gewesen seien. Als gemeines Gut der Gatten blieb daher nur die
bewegliche Habe und was in der Ehe an Liegenschaften erworben
wurde übrig, so daß hier an die Stelle der allgemeinen Güterge-
meinschaft eine s. g. Particulargemeinschaft getreten ist.
Die Rechte der zweiten Unterklasse dagegen haben selbst auch
die von jedem Gatten eingebrachte Fahrniß dem ehelichen Sammt-
gute entzogen. Denn bei der im Laufe der Zeiten so sehr gestiegenen
Bedeutung und Wichtigkeit der Fahrhabe mußte die alte Uebung,
daß der überlebende Gatte alle Fahrniß allein erbe, vielfachen An-
stoß finden: eine Theilung derselben zwischen ihm und den Kindern
oder andern Erben ward beliebt, und eine natürliche Folge war, daß
alsdann jedem Gatten die von ihm eingebrachten Fahrnißstücke auch
eigentümlich verblieben. In diesen Rechten ist also die eheliche
Gütergemeinschaft auf die Errungenschaft allein zurückgedrängt.
§. 15.
Das characteristische Merkmal der Rechte der ersten Unter-
classe liegt darin, daß nach derselben nur die gesammte Fahrniß
und die Immobiliar-Errungenschaft ein gemeinschaftliches Eigenthum
der beiden Gatten ist, und daß sie bei der ehelichen Erbfolge den
alten Unterschied zwischen den liegenden und fahrenden Gütern bei-
behalten haben. Im Uebrigen aber stimmen sie keineswegs alle

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