Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

294

Planck:
er in dem ganzen Verfahren stets als der einzig Angegriffene da-
steht. wenn auch, die Zwischenfrage allein betrachtet, das Verhält-
niß sich scheinbar günstig für den Kläger gestalten sollte. Folgende
interessante Anwendungen davon bieten sich in den Quellen dar.
Der Richtst. Ldr. 47. enthält folgenden Rechtfall:
Kläger: Here her lichter! ide Klage yu, dat he dat myne
düsliken untfuret hefft.
Beklagter: Heere hr lichter! ik en vorstal em des nicht;
he antwerde dat my uthe spnen weren met willen, unde
leget mp.
Klager: he sy des unschuldig; eft he des icht neger tho
untgende spL —
Der den angeblichen Leihcontract läugnende Kläger will also unter
Berufung auf die besondere Regel zum Eide kommen, wodurch die
That des Beklagten zum Diebstahl gestempelt worden wäre, wäh-
rend wenn die Behauptung des Beklagten richtig ist, der Vorwurf
eines eigentlichen peinlich strafbaren Diebstahls ihm nicht gemacht
werden kann Zn Bezug auf die Zwischenfrage, die Einrede
des Beklagten, ist also Kläger der scheinbar Angegriffene, und er
sucht dieses geschickt zu benutzen, um zum Eide zu kommen. Er
begegnet ihm aber folgendermaßen:
Der Beklagte: Na deme, dat du des Bedderve lüde tho
tüge Heft, deme pt witlik sp, dat he yt dp lech, unde he
yt wol wiste, dat du pt heddest, unde unverhalen hildest:
efft du des icht neger tho betügende bist? —
Urtheile: Dat vint me.
Der wahre Grund der Vertheidigung des Beklagten ist freilich in
diesen Worten nicht geschickt hervorgehoben. Es ist der, daß der
Beklagte in der That in der Hauptsache der Angegriffene ist, und
wenn ihm durch den Eid des Klägers seine Vertheidigung abge-
schnitten würde, nochwendig seinen Hals oder seine Gesundheit ver-
lieren müßte. Diese Stellung der Partheien in der Hauptsache
muß aber den Ausschlag geben entgegen dem falschen Scheine, den
Kläger für sich zu benutzen wußte m). — Statt dessen fällt nach

201) S. Ldr. UI. 22. §. 2.
202) Also ganz derselbe Falk wie Richtst. Ldr. 15. i. A. worüber s. oben
$. 10. 4) e>

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer