Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

288

Plan cf:
8. 17»
Fortsetzung.
I) Sind beide Partheien in der Gewere gleich, so entscheidet
die Qualität des von beiden behaupteten Rechts. Derjenige näm-
lich hat den Vorzug, welcher ein besseres, stärkeres , ursprüngliches
Recht behauptet gegen den, der ein schlechteres, schwächeres, abge-
leitetes geltend macht. Auch dieser Vorzug beruht unmittelbar auf
dem Grundprinzip der Reihenfolge. Beide Partheien nämlich sind
zwar in der Lage des Verlierens, des Angegriffenseins, allein ihre
Lage ist doch nicht ganz gleich. Die eine setzt noch mehr auf's Spiel
als die andere, da ihr Recht ein besseres ist. Soweit beide Rechte
gleich sind, sind auch beide Partheien die Angegriffenen in gleicher
Weise, ohne daß eine den Vorzug erlangen könnte. Aber bei der
einen kommt noch ein plus hinzu, in Bezug auf welches sie allein
angegriffen ist, da der Gegner etwas dem Aehnliches nicht behaupten
konnte. Dies muß mithin in der Wage des Richters für sie den
Ausschlag geben. Doch wird vorausgesetzt, daß die Gewere gleich
sei. Ist sie das nicht, so muß dem, der darin überwiegt, gestattet
werden, zu versuchen, auch ein besseres Recht als der Gegner hat,
darzuthun. Sie ist es aber, sei es nun, daß beide eine rechte Ge-
were behaupten^), oder beide wenigstens eine hebbende Gewere^),
oder Keiner eine Gewere hat^). Beispiele dieses Vorzugs sind
folgende:
s) Wer Eigen behauptet, hat den Vorzug vor dem, der nur
Lehn geltend macht.
S. Ldr. H, 43. §. 1. Richtst. Ldr. 27.
Auffallend und unerklärt ist in dieser Stelle indeß zweierlei, was
freilich unmittelbar uns hier nicht angeht. Wie kommt es zunächst,
daß Eigen hier nur mit zwei Schöffen beschworen werden muß,
während beim Beweise über unbewegliches Gut und namentlich über

186) Richtst. Lehnr. 2u §. 2. vgl. mit §. 4.
187) Urk. bei Oenetien !. e. S. 486.
188) Diesen Fall legt Richtst. Ldr. 27. und die Glosse dem S. Ldr. ll, 43 un-
ter, und vielleicht dachte der Verfasser vorzugsweise an diesen z. B.
wenn aus dem Nachlaß eines Verstorbenen ein Gut von dem Einen
als Eigen, von dem Andern als Lehn, oder von dem Einen als
Erbeigen, von dem Andern als gekauftes Eigen angesprochen wird.

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