Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

L62 Planck:
Die vollständige Vertretung des Gutes nach außen geschieht nach
sächsischem Recht erst durch den Mann und den Herrn zusammen.
Daher ist der Mann gehalten, trotz seiner rechten Gewere, seinen
Herrn im Gericht zu stellen, und dessen ausdrückliche Erklärung zu
schaffen, daß er der Lehnsherr des Gutes und dieses sein Mann
sei. Aber der Character der rechten Gewere geht darum nicht ver-
loren. Denn es ist schon hinlänglich, daß der Herr diese Behaup-
tung, diese Erklärung abgibt, und der Mann braucht dann nur noch,
wie jeder Andere seine rechte Gewere zu erhärten. Eine weitere
Untersuchung des Rechts beider tritt nicht ein, und dadurch ist dieser
Fall der rechten Gewere noch immer außerordentlich bevorzugt vor
dem des nachfolgenden §., in welchem eine Gewährschaft,74) von
Seiten des Lehnsherrn ebenso gefordert, aber in viel umständlicher
Weise geleistet wird. Das hier angegebene Resultat steht so ziem-
lich für die sächsischen Quellen 175j fest, wenn nicht eine verschiedene
Lesart im S. Ldr. H, 42. §. 1. u. 2. Zweifel erregte. Die ältere
Lesart bestimmt schlechthin für den Fall des Streits zweier Personen
um ein Gut, das beide für ihr Lehngut aber von verschiedenen
Herren ausgeben, daß beide ihre Herren als Geweren vor Gericht
bringen sollen. Wer gewehrt wird, der behält das Gut, wessen
Gewere nicht kommt, der verliert. Hierin ist nun gar nicht unter-
schieden, ob einer von beiden eine rechte Gewere behauptet oder
nicht. Es scheint also, daß nach der Ansicht des ursprünglichen
Verfassers dieser Stelle in jedem Falle der Herr als Gewere Vor-
gebracht werden mußte. Was dann ferner zu thun sei, darüber
sagt er nichts; wir können uns nach den andern Quellen aber den
Unterschied sehr wohl denken, daß wenn der Lehnsmann eine rechte
Gewere hatte, die Pflicht des erscheinenden Herrn eine viel leichtere

174) Vgl. darüber überhaupt: Homeyer S. Lehnr. Bd. 2. S. 597- ff.
175) S. Ldr. II, 42. §. l. (nach der alten Lesart.) Richtst. Ldr. 21 a. E.:
„neger to behaldene met syner rechten hebbenden were unde
met rechter bekenntnisse synes Heren" (die erste macht also
das zweite nicht überflüssig. Ebenso:) 22. a. E. u. 27. (Nur
ist zu lesen: unde dat nen erffingen cn sy, snnder yt sy dyn
(statt: syn) leen u. s. w- — Weichb. 69. — Eine Anwendung
in einem Rechtsstreit von 1347. s. in LercKen, coä. dipl. Brau
denburg. *ol. IV. S. 479. ff.

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