Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

239

Das Recht zur Beweisführung.
Wir werden daher einzelne auswählen, und dabei vorzugsweise dem
Richtsteig-Landrecht 68) und seiner Anordnung folgen, während
gleichzeitig die Bemerkungen anderer Quellen eingeschaltet werden
sollen.
§. 8.
Anwendung der Negel.
1) Bürgerliches Klagen um Schuld.
Als der vornehmste Fall der bürgerlichen Klagen wegen Schuld
kann der Streit über Darlehn betrachtet werden. Die Frage, wer
oum Eide komme im Fall der Uneinigkeit der Partheien über die
factischen Voraussetzungen hängt vor allen Dingen von der Art der
Vertheidigung ab, die der Beklagte gewählt. Hierauf ist überhaupt
im deutschen Prozeß immer zunächst eiuzugehen, nicht wie im römi-
schen auf den Klaggrund 7°). Denn der Beklagte erscheint äußer-
lich zunächst in der Rolle des Angegriffenen. Es ist vor allen Dingen
festzustellen, ob er es der Sache nach auch wirklich sei. Trifft dieß
zu, so gebührt ihm das Recht des Beweises, oder Eides, und da-
mit ist der Streit beendigt, ohne daß der Kläger weiter berücksichtigt
worden wäre.

68) Zu bedauern ist, das; es an einer neueren kritischen Ausgabe dieses
Buchs, welche ein so dringendes Bedürfniß wäre, noch immer
fehlt. Da die Senkenberg'sche Ausgabe desselben fast nicht zu
brauchen ist, so ist in dieser Abhandlung sowohl dem Tert als der
Zählung nach die Ausgabe von Augsburg, 1516, welche außerdem
das Land- und Lehnrecht, sowie den R. Lehnrecht enthält, zum
Grunde gelegt. — Uebrigens ist die Anordnung des R.L. nicht
ganz genau, sondern mit einigen Abweichungen befolgt, die die
bessere Auseinandersetzung nöthig machte.
69) Diese allgemein verständliche Uebersetzung von „borgelik" ist absicht-
lich gewählt, wenn gleich die nächste Bedeutung dieses Worts
eine andere ist. Vgl. Richtst. Ldr. 5.
70) Daher ist ein System der deutschen Klagen so schwer zu finden,
weil der Eintheilungsgrund des römischen Systems nach dem Klage-
grund nicht paßt. Aus demselben Grunde nehmen manche Klagen
eine so variirende Gestalt an, daß man im Zweifel ist, ob sie zu
ben dinglichen oder persönlichen zu zählen seien z. B. der Anfang. —
Als Eintheilungsgrund bleibt daher im deutschen Recht nur der
Gegenstand der Klage, welcher hier auch befolgt ist.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer