Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

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Das Recht zur Beweisführung.
zesses geradezu ins Auge fassen. So 65) fragt im Richtst. Ldr. 40.
der des Diebstahls Beschuldigte nicht, wie sonst gewöhnlich: ob er
nicht näher sei, zu entgehen (oder zu versaken), als der Andere
ihn zu übergehen, sondern vielmehr: „est he side synes libes und
syner ere icht neger to verende sy, wen he sy en aff tho winnende
sy." Ja im Hamburger Stadtrecht v. 1270. VI, 12. (Lappen-
berg, S. 30) sind sogar beide Regeln abwechselnd gebraucht für
denselben Fall und zwar in dem von uns angedeuteten Verhältniß.
Darnach ist nämlich ein unberopen man: „sine eere nager to behol-
dende uppe den Hilgen, denne se em jenich man as to wynnende si."
Davon wird sogleich auf den Fall des beschuldigten Diebstahls oder
Raubes die Anwendung gemacht den Worten: „gift man eme schult
dar umme, he mach untgan mit syneme rechte." — Auch für bür-
gerliche Schuldprozesse ist derselbe Gedankengang angedeutet in Richtst.
Ldr. 46. Denn zuerst heißt es: der Beschuldigte könne dem Gegner
entgehen mit seinem Eide. Sodann: sobald er bereit sei, diesen
Eid zu leisten, so sei die Schuld auf ihn ungewonnen; ferner:
wenn er dagegen den Eid nicht leiste, so sei die Schuld auf den
Antworter gewonnen. In der erstern Redeweise ist die erste
Regel, in den folgenden die zweite angedeutet. Der Kläger will
die Schuld auf den Beklagten gewinnen, d. h. er will ihm sein
Geld abgewinnen 66); pxx Beklagte ist folglich der Angegriffene,
und daher kann er dem Kläger entgehen mit seinem Eide. Ganz
analog ist die noch klarere Stelle des Richtst. Ldr. 14 a. E. Der
angebliche Gewere wird angewiesen zu fragen nach der ersten Regel:
vedder he (sein Gegner) des dp neger to vertygende sy —
edder du eme neger to entgende bist met dyner unschult? —
Und das billigende Urtheil antwortet nach der zweiten, mithin
gleichbedeutenden Regel:
So vint me: du syst des neger dy der vereschap to werende,
ven he dy met syme tüge to geweren krigen möge.
Nicht minder deutlich ist die Stelle des Richtst. Ldr. 41. Der
sich auf eine abgeschlossene Sühne Berufende fragt:

65) Aehnliche Stellen s. 8t. Stad- V, 5 U. ll. (Pufend. I. 191- 193.)
Michelsen, Lüb. Oberhof. XIX. S. 104.
66) Er will ihm eigentlich „das Schuldigsein" abgewinnen.

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