Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

20

Euler:

Bestandtheile des Gesammtgutes herrühren 59). Es darf daher in
solcher Ehe kein Gatte ohne Wissen und Willen des andern Son-
dergüter erwerben 60), kein Gatte kann ohne den andern über die
versammte Habe verfügen oder sie mit Schulden beschweren, und
die Gatten können sich auch ohne besondere Vollmacht vor Gericht
dieser Habe wegen vertreten °'). Für die von beiden Gatten oder
von einem Gatten zum gemeinen Besten während der Ehe gemachten
Schulden ist die versammte Habe ohne Unterschied verhaftet, vorehe-
liche oder einseitige Schulden aber werden von dem Halbtheil des
schuldigen Gatten allein getragen °2). Ist nun die Ehe beerbt und
stirbt ein Gatte, so erben die Kinder dessen Halbtheil der versamm-
ten Habe, der überlebende Gatte aber hat, so lange er seines Wit-
tibstuhls unverrückt bleibt, seinen Genuß daran und kann ihn
selbst bei rechter ehehafter Noch mit des Gerichts Erlaubniß
angreifen: bei Eingehung einer zweiten Ehe dagegen muß er den
Kindern dieses ihr Gut einhändigen 63). Ist aber die Ehe unbeerbt,
so fällt von des Verstorbenen verlassener Habe, nach Zahlung der
Schulden, wenn er Ascendenteu, Geschwister oder deren Kinder
hinterläßt, an diese die Hälfte, wenn er nur entferntere Verwandten
hinterläßt, an diese ein Drittheil derselben, während die andere
Hälfte, oder aber die zwei Drittheile an den überlebenden Gatten
kommen, der zugleich an den andern Theilen den Beisitz und Genieß
sein Lebtag aus haben soll 6i).
Diesen versammten Ehen ganz gleich stehen diejenigen, welche
mit dem Geding „Leib an Leib, Gut an Gut" eingegangen wer-
den, nur darin sind sie unterschieden, daß bei kinderloser Ehe blos

59) Res. von 1484, XII. 3. XIII. 4. Ern. Ref. von 1564, XXVIII. 1,—
Diese Stellen sind auch in U. Tenglers Layenspiegel 1509.
Bl. 41. 42. ubergegangen.
60) Zusatz zu XIII. 4. seit dem Druck von 1498.
61) VI. 5. Ern. Ref. V. 5. Ueber seinen Halbtheil aber kann jeder
Gatte letztwillig verfügen, XII. 5.
62) XIII. 4. Ern. Ref. XXVIII. 1.
63) xm. 3. 4. Ern. Ref. XXXIII. 4. 10.
64) Xll. 3 Die Ref. von 1522 sezt noch hinzu, daß die Verwandten
im ersteren Falle also den vierten Theil „Heeder Eelewt gantzer
Hab," im andern ein Sechstheil der ganzen „Versambnuß" er-
halten.

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