Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

Das Recht zur Beweisführung. 21.7
sein, die ursprüngliche Bedeutung des Eidschwures mit Gezeugen
nicht aus den Augen zu verlieren.
§. 4.
Fortsetzung. Unterschied zwischen dem alleinigen Eid, dem Eid
selbdritt und felbstebent.
An dieser Stelle wenden wir uns indeß zunächst zu einer über-
sichtlichen Betrachtung der Frage, in welchen Fällen die Parthei
mit ihrer einen Hand den Schwur zu leisten habe, und wenn sie
der Unterstützung von zwei oder gar sechs Mitschwörenden bedürfe.
Sehen wir allein auf die ursprüngliche Bedeutung der Gezeugen,
so scheint die einfachste Antwort zu sein: je wichtiger der Gegen-
stand, worüber geschworen werden sott, desto stärker der Cid. Und
dabei möchte es keinen Unterschied machen, ob der Angegriffene,
oder ausnahmsweise der Angreifer zum Eide zugelassen wird. Nur
darauf möchte man vielleicht Gewicht legen, welche Persönlichkeiten
einander im Streit gegenüber stehen, da ja durch den Eid eigent-
lich nur die Versicherung des Einen im germanischen Rechtsstreit
gegen die des Andern ihrem juristischen Werth nach abgewogen
wird. So bedürfte vielleicht der geringer Geborne einer zahlreiche-
ren Unterstützung gegen den besser Geborenen, als dieser umge-
kehrt gegen jenen, oder gegen Seinesgleichen l0). Allein diese Auf-
fassung , die sich in den altern germanischen Volksrechten wirklich
vorherrschend findet, ist schon im Ssp. ziemlich verdrängt. Wir
glauben diesen Umstand auch hier auf Rechnung der Einwirkung
des oben bezeichneten zweiten Prinzips setzen zu dürfen. Eineid,
Eid selbdritt, und selbsiebent sollen im Ssp. schon mehr oder weniger
dazu dienen, die wirkliche Ueberzeugung der urtheilenden Genossen
von Wahrheit oder Unwahrheit der bestrittenen Thatsachen zu be-

10) Eine Spur hiervon meine ich noch im S. Ldr. lll. 32. Z. 3. 4. zu
finden. Der Herr behält seinen Leibeigenen im Streit gegen ihn
selbst mit nur zwei Leibeigenen, im Streit gegen einen andern
angeblichen Herrn, mit sechs seiner Verwandten oder wahrhafter
Leute. — Vgl. auch S. Lehnr. 80. §. 2. — Auf demselben
Grunde beruht die Bestimmung des S. Lehnr. 2. §. 4. welche in»
deß bereits durch Richtst. Lehnr. 31. Z. 4. eingeschränkt wird.
Zeitschrift f. »rutschrs Recht u>, Band. H r. 15

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