Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

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Euler:

Das erneuerte Stadtrecht von Wimpfen von 1772 4*) er-
klärt ausdrücklich, daß jedem Garten die Halbscheid alles Guts zu-
stehe und er über dieselbe letztwillig verfügen könne (kV. i. §. 5);
es gibt bei kinderloser Ehe dem überlebenden Gatten den lebens-
länglichen Genuß alles Guts und läßt dieses nach seinem Tode
freundtbeilig werden; bei beerbter Ehe aber soll er, wie schon die
neue Reformation von 1544 (gedr. 1544. fol.) bestimmt, im Falle
der Wiederverehelichung grundtheilen, und zwar je nachdem ein
Kind oder zwei oder drei und mehr Kinder am Leben sind, densel-
ben ein Drittheil oder die Hälfte oder zwei Drittheile alles Guts
geben (VI).

§. 11.
Aehnliche und größere Abweichungen bieten auch die Rechte
längs des Rheins dar.
Nach den Statuten der Stadt Cölln von 1457 ist das Ver-
mögen beider Gatten, gleichviel von wem es herrührt, ein Gut46j
und haftet gleichmäßig für alle Schulden. Deswegen, als das erz-
bischöffliche Officialat nach dem römischen Rechte den Frauen einen
Vorzug ihres Hilligguts einräumen, dasselbe aus der Gewalt der
Ehemänner entziehen wollte, trat der Rath kräftig gegen diese Neue-
rung auf und bestätigte die entgegenstehende gute hergebrachte Ge-
wohnheit und Freiheit der Stadt unter harter Strafandrohung ge-
gen solche, welche sich darwider legen würden 47), Bei beerbter
Ehe bleibt die letzte Hand gerast, geruhet und ungetheilt in allem
Gute sitzen, ist aber nur ein Leibpächter an den Liegenschaften, die
Kinder können jedoch auch auf Theilung dringen und es soll dann

15) Gedr. in v. d. N a h in e r Handbuch des rheinischen Particular-
rechts. Franks. 1851. I, 1044.
4ö) Etat. Art. io in der Cölln. Reformation, gedr. Nürnb. 1621. 4»
I. S. 21.
47) Art. 57 der St. Cölln alter Recht und Burger Freiheiten. (Res. II.
S. 60.) Nur wenn die Gatten ihre Güter besonders haben und
ein Gemahl des andern Erbe nicht wird, braucht er des andern
besondere Schulden nicht zu zahlen. Uebrigens waren die Güter,
woran nicht die gesammte Hand, sondern nur ein Gatte ange-
schreint war, ein Sondergut desselben.

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