Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

188

Dahlmann:
häufig auf deutschem Boden 4), an die englische Jury erinnert,
aber auch allein die Zahl; kein Verwerfungsrecht, keine Einstimmig-
keit, schwerlich auch eine Ernennung bloß für diesen Fall.
Ganz anders aber legen fich diese Zustände offen, sobald wir
in den normännischen Zeitraum der englischen Geschichte treten. Um
darüber klar zu sehen, muß man den Gerichtsgebrauch kennen,
welchen die ersten Normannen aus ihrer norwegischen Heimath mit-
brachten. Man erwirbt sich diese Kenntniß zum Theil aus den alt-
norwegischen Gesetzen und den altskandinavischen Geschichtbüchern,
andern Theils aus der Vergleichung des gerichtlichen Verfahrens
in Island, nur daß man Mutter und Tochter nicht mit einander
verwechsele. Man muß vor allen Dingen zwischen ordentlichen
und außerordentlichen Gerichten unterscheiden. Die außerordentlichen
werden für einen einzelnen Fall, wie er gerade eintritt-, bestellt,
mag dieser nun der streitigen Gerichtsbarkeit oder der an fich nicht
streitigen, wie Erbtheilungen und Abschätzungen angehören; manch-
mal kommen auch Straferkenntnisse vor. Bei diesen außerordentlichen
Gerichten wird nach einfacher Stimmenmehrheit erkannt; tritt Stim-
mengleichheit ein, so wird die Sache als unentschieden betrachtet
und geht weiter an ein ordentliches Gericht. Dieses hat in Nor-
wegen zwölf Richter, welche durch Einstimmigkeit entscheiden, und
wir vermissen auch ein Recusationsrecht nicht, denn es hat (mindestens
wo es Grundstücke angeht) jede Partei das Recht, die Hälfte der
Richter zu ernennen, woraus ferner hervorgeht, daß sie, wenn
Vielleicht nicht überhaupt, so doch bei gewissen Vorkommenheiten
nur über den einzelnen Fall erkannten, was in Island nicht so
war. Uebrigens sind die ordentlichen Gerichte nur insofern Ober-
gerichte, als eines Theils viele Rechtsfälle und namentlich die wich-
tigsten Straferkenntnisse allein für sie gehören, und ferner die im
außerordentlichen Gericht unentschieden gebliebenen Sachen an sie

4) Jak. Grimm, d. Rechtsalterth. S. 177-80. Die zwölf Schöffen,
welche K. Ludwig der Fromme vorschreibt (Capit. 2. a. 819. c. 2.
Pertz, Legum. T. I. p. 227) sind bekannt. Ueber die vermuth-
liche Zwölfzahl der Lombardischen Schöffen, von welchen minde-
stens sieben erscheinen mußten, s. v. Bethmann-Hollweg,
Ursprung der Lombardischen Städtefreiheit. Bonn 1846. S. 80.
Note s.

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