Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

Begriff des gemeinen deutschen Rechts. 167°
m'ß eines Volks, dem die Weltgeschichte vor Allem die Entwicklung
des Rechtsbegriffs zur Aufgabe gesetzt habe^).
Ich habe über Puchta schon früher gesprochen und werde auf
den unangenehmen Streit nicht zurückkehren, obgleich Puchta durch
die Vorrede zur zweiten Auflage seiner Pandecten, welche in der
dritten wieder weggeblieben, mir neuen Anlaß zur Klage gegeben hat.
Ich unterlasse es, weil mein Gegner, der seither zu den Tobten ge-
gangen, mir nicht mehr schlagfertig gegenüber steht, mit dem leb-
haften Bedauern, daß er nicht durch eine richtige vorurtheilslose
Auffassung fremder Ansichten mir eine Annäherung möglich ge-
macht. Leider hat sich ihm in gleichem Mißverständnisse ein
Mann, den ich persönlich schätzen gelernt, beigesellt. Von der
Pforten gehört nicht zu den einseitigen und verschrobenen Romanisten,
welche dem Volksrecht keine Stelle im heutigen Rechte gönnen wol-
len ; er erkennt die Berechtigung der nationalen Richtung ausdrück-
lich an- wenn er gleich (nach dem heftigen und unbegründeten Ta-
del zu urtheilen, den er gleichzeitig ausspricht) keine richtige Vor-
stellung von ihr zu haben scheint: er ist ferner von dem justiniani-
schen Recht so wenig absolut befriedigt, daß er die Gestalt, welche
einzelne Lehren, z. B. die Collation, dadurch erhalten, als „ver-
kümmert, innerlich principlos, unzweckmäßig und ver-
werflich" bezeichnet. Aber ich frage: wie kann der Rückblick auf
älteres römisches Recht, oder die gleichzeitige „Betrachtung von dem
Standpunkte der allgemeinen Rechtsgeschichte, der Rechtsphiloso-
phie und Gesetzgebungspolitik" über diese unbefriedigende Gestalt
beruhigen, worin das römische Recht nun einmal abgeschlossen ist?
Wenn das römische Recht in seiner letzten Gestalt, von welcher al-
lein behauptet werden kann, daß sie auf uns gekommen, von Gott
verlassen war, so muß ja eben die Gesehgebungspolitik dahin füh-
ren, ein anderes an die Stelle zu setzen, und auf diesem Stand-
punkte wenigstens ist dann doch wohl der Versuch, das einheimische
Recht und die Natur der Sache zu befragen, gewiß ebenso berech-
tigt, als dieß bei den römischen Rechtsgelchrten einstens der Fall
war.
Hl. Die formale Ansicht vom Rechte. Nach dieser ist ein

23) Kritische Jahrbücher für deutsche Rechtswissenschaft. Iahrg. 1844.
Heft 10.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer