Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

12

Euler:

er zu neuer Ehe schreitet, alles Gut mit den Kindern nach Köpfen
theilen: der kinderlose Gatte aber ist Alleinerbe, obwohl er setzt in
den letztgenannten Städten, wenn die Ehe noch kein Jahr gedauert
hat, sich mit seinem Einbringen, der halben Errungenschaft und ei-
nem meist in den Eheverträgen bestimmten s. g. Iahresfall begnü-
gen muß. Auch ist es in diesen Städten der Wittwe gestattet, wenn
sie aller Erbschaft entsagt, ihre Illaten zurückzufordern, sonsten aber
gelten keine privilegia dotis35), und Weiber, die mit dem Manne
zu offenem Kram und Handel geseßen, baben senes Entsagungsrecht
nicht.

§.
Die frühere allgemeine Gütergemeinschaft läßt sich dagegen in
folgenden Rechten nicht mehr oder nur in höchst anomaler Weise
erkennen.
Die B r a nde n burg - A n s bacher Amtsordnung von 1608 3Ö)
nahm noch eine unzertheilte Gemeinschaft aller Güter als den ge-
setzlichen Gülersiand bei ungedingten Ehen an. Wenn der verstor-
bene Gatte keine Kinder ober Eltern hinterließ, oder wenn die Kin-
der früherer Ehe bereits vergrundtheilt worden, war der überlebende
Alleinerbe (XII. 1. 2); waren Kinder vorhanden, so mußte er, wenn
er zu neuer Ehe schritt, dieselben für ihr väterlich oder mütterlich
Gut vergleichen und abfinden (XIII.); des Weibes Heirathsgut war
nicht privilegirt (X V.). Das Edikt von 1699 über Bestimmung des
Kindervorauses schied aber hierbei schon die Illaten von dem Ge-
meingute aus und wies, wenn des verstorbenen Gatten Vermögen
gering war, dasselbe den Kindern gänzlich zu, während dem überle-
benden Gatten sein Einbringen restituirt werden solle. Die Ver-
ordnung von 1708 schrieb sodann die Acquisita während der Ehe

35) Während jedoch noch 1747 in dem Hildburghäuser Antheile den
Weibern die Rückforderung ihrer Illaten verboten wurde, wurden
ihnen in dem Coburger Antheile 1730 die weiblichen Rechtswohl-
thaten förmlich zugestanden und die allgemeine Gütergemeinschaft
verwandelte sich hier in eine blose Errnngenschaftsgemeinschaft.
Ortlo ff S. 64. Loh S. 88.
36) Diese und die übrigen Ansbacher Verordnungen s. bei Arnold
I. 1-150.

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