Full text: Volume (Bd. 7 (1842))

84

Euler:

Es ist nämlich dasselbe nach seinen wesentlichsten Punkten in vier
Sätzen enthalten und es verdient Beachtung, daß sich gerade diese
vier Sätze in beinahe wörtlicher Uebereinstimmung auch in den Rech-
ten von Freiburg und Bern vorfinden. Denn hierdurch wird es
außer allen Zweifel gesetzt, daß eben dieses Recht der gesammten
Hand in Cölln gegolten habe, und von Cölln aus in die Rechte die-
ser verschiedenen zu dem Cöllner Oberhofe gehörenden Städte über-
gegangen sey. Damit aber dürste der Mangel, den wir an Cöll-
ner, über diese Verhältnisse sprechenden, Urkunden haben, immer wie-
der wenigstens in Etwas ersetzt seyn.
Diese vier Sätze, deren weitere Ausführung ich unter Beru-
fung auf meinen Versuch hier unterlasse, sind nun folgende:
Die Gatten können mit gesummter Hand über ihr beider-
seitiges vereintes Vermögen ohne alle Einsprache dritter Personen
(als der Kinder oder Erben) ftei verfügen, entweder wirklich zu-
sammen oder durch die Hand des Mannes kraft dessen ehelichen
Mundiums. So das Colmarer Recht von 1278: „ein ieglich bur-
„ger mac geben und verkufen swaz er hat bi sins wibes lebende,"
und die fürs velensia von 1358: » quilibet burgensis dicti opidi
»uxore sua superstite potest ea quae possidet vendere vel do-
lare l2).«
II) Diese Einheit des gesammten Vermögens bleibt auch bei
Trennung der Ehe erhalten, indem sich die Gatten gegenseitig er-
ben. Colmarer Recht: „in der stütze Colmer sol ein ieglichefruwe
„ir elichen man erben und der man sin eliche husfruwe." dura De-
lensia: »conjuges in dicto opido residentes sibi invicem in rebus
»debent succedere ut heredes l3).«
III) Während sonach bei kinderloser Ehe der überlebende Gatte
die Erben des Verstorbenen von aller Nachfolge ausschließt, sind
bei beerbter Ehe die gesammten Liegenschaften den Kindern derge-
stalt verfangen, daß der Ueberlebende ohne der Kinder Willen nicht
über dieselben verfügen kann, sondern sich mit der Nutzung begnü-
gen muß. Ueber die fahrende Habe aber ist er unbeschränkter Herr.

12) So Freib. Stadtpriv. v. 1120. S. 55. — Freib. Stadtcodel Art.
27. 41. — Vgl. meinen Versuch §. 7.
15) Freib. Priv. S. 31. — Stadtrodel Art. 26. — Berner Handv.
Art. 40. — Vgl. meinen Versuch §. 10.

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