Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 7 (1842))

48

Zachariä:
stellen, noch auf ein solches Recht, das auf dem Lehne haftet, Ver-
zicht leisten könne, mit Einem Worte, daß er nur die Rechte eines
redlichen Besitzers habe.
Ein anderes Beispiel! Die Allodialbelehnung hatte mit der
Übertragung des Besitzes am Lehne überall nichts zu schaffen. Sie
war nur die Aufnahme in den Nationalverein. Wenn auch Sym-
bole bei dieser Belehnung verkamen, welche sich auf die Uebertragung
des Besitzes der Sache zu beziehen scheinen, so war doch ihre Be-
deutung nur die, daß sie die Sache bezeichneten, an welcher dem
Beliehenen die Gewähr ertheilt wurde. Die Gewähr aber war
ein von dem Besitze wesentlich verschiedener Gegenstand. Sie war
eine Handlung der Staatsgewalt, durch welche diese den Besitz
(oder die Inh ab un g) einer Sache, insbesondere einer Liegenschaft,
anerkannte und dem jeweiligen Besitzer gewährte, d! i. zusicherte.
Alles dieses gilt auch von der Lehnsinvestitur, welche insofern nicht
von ihrem Vorbilde, der Allodialinvestitur, abwich. Es beruht daher
die Eitttheiluug der Investitur in die investitura propria et abusiva,
die sich bei den Feudiften (II. F. 2. u. 33. pr.) findet, lediglich und
allein auf einer Verwechselung der Investitur mit der römischen
traditio.
Uebrigens blieb diese Verwandtschaft des Lehnrechts mit dem
Rechte, nach welchem allodiale Stammgüter erworben und besessen
wurden, auch auf dieses Recht nicht ohne Einfluß. So geschah es
z. B., daß sowohl die Succession in die allodialen Stammgüter als
die in die Lehne nach denselben Grundsätzen beurtheilt wurden, so,
daß es nicht so schwer war, von dem neuen Lehnrechte wieder zu
dem alten zurückzukehren. Jedoch von diesem Einflüsse wird hier
weiter nicht die Rede seyn, denn er gehört nicht in das Gebiet der
vorliegenden Abhandlung.
Ebenso wenig ist hier der Ort, die Ursachen zu erforschen, aus
welchen das Lehnswesen in den verschiedenen Staaten, in welchen
es einst bestand, so verschieden gewirkt, in dem einen Staate, in
Großbritannien, eine der freisinnigsten Verfassungen, die nur die
Geschichte kennt, in einem andern Staate, in Frankreich, eine ab-
solute Monarchie, in einem dritten Staate, im deutschen Reiche, die
Auflösung des Staates zur Folge gehabt hat. Also hier nur eine
Bemerkung! Bei einem jeden Volke, insbesondere bei einem jeden
gebildeteren, gibt es zwei einander entgegengesetzte Principien seines

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer