Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 7 (1842))

Ursprung des Lehnrechts.

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dieser ihrer Eigenschaft war das Gesammteigenthum des Lehnes ltr).
Zur Sicherung des Gesammteigenthumes hatte sowohl das ältere
als das neuere Lehnrecht den Retract der Agnaten eingeführt, das
neuere Recht noch überdieß den Retract des Lehnsherrn oder den
I'6tl'36tu5 feiiclaH«, diesen vielleicht nach der Analogie der Mark-
losung. — Mit Einem Worte, das neuere Lehnrecht enthält kaum
irgend eine Lehre, zu welcher nicht das ältere das Seitenstück darböte.
So wie man hiernach die obige Behauptung, daß das ältere
Lehnrecht zur Ergänzung und Vervollständigung des neuern Lehn-
rechts — und selbst zur Kritik der neueren Lehnrechtsbücher — be-
nützt werden kann, schon aus allgemeinen Gründen für annehm-
bar halten wird, so fehlt es auch nicht an besonderen Beispie-
len, welche jener Behauptung das Wort sprechen. Ich will nur
zwei dieser Beispiele hier anführen.
Durch die Lehnsinvestitur wird ebenso, wie durch die Allodial-
investitur, ein bürgerlich-gültiges, d. i. ein in jeder Beziehung wirk-
sames, Eigcnthum erworben, wenn auch durch die erstere nur ein
Nutzeigenthum, durch die letztere aber (in der Regel) ein volles
Eigenthum. Jedoch weder der liber feudorum noch andere Lehn-
rechte erklären sich darüber bestimmt, in welcher Eigenschaft
der Lehnsherr die Belehnung ertheile, noch darüber, welche
Rechte ein Vasall über das Lehn habe, der, obwohl in dem Besitze
des Lehnes, dennoch nicht mit dem Lehne beliehen ist. Ueber die
eine und über die andere Frage giebt die Allodialinvestitur Auskunft.
Nicht der Lehnsherr als solcher, sondern als Oberhaupt oder als
Beamter des Staates ertheilt die Belehnung. Denn bei der Allo-
dialbelehnung kann in vielen Fällen überall nicht die Belehnung von
einem andern Herrn, als von dem Staate geschehen. Woher auch
sonst die Vorschrift der Gesetze, daß die Belehnung von einer öffent-
lichen Behörde, von dem Lehnshofe, geschehen muß? Kann der
Lehnsherr überhaupt, als solcher, ein bürgerlich gültiges Eigenthum
ertheilen? Ebenso ist die andere Frage nach der Verwandtschaft,
die zwischen der Allodial- und der Lehnsinvestitur eintritt, dahin zu
entscheiden, daß der noch nicht beliehene Vasall weder ein dingliches
Recht, z. B. ein Unterpfand oder eine Dienstbarkeit am Lehne, be-

10) II. F. 50. Coinvestitura.
11) Vgl. I. F. 4. II. F. 57.

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