Full text: Volume (Bd. 7 (1842))

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Ursprung des Lehurechts.
zeit oder auf eine bestimmte Anzahl Jahre u. s. w. verliehen wur-
den. Die Könige der Franken machten erst einen Versuch mit einer
Neuerung, die aber in der That tiefer in die Verfassung eingriff
als es auf den ersten Blick der Fall zu sepn schien.
An diese geschichtliche Darstellung des Ursprungs des Lehn-
rechts schließt sich eine Folgerung an, in welcher ein Hauptmittel
für die Erläuterung und Ergänzung des Lehnrechtsliegt.
Wenn der Lehnsvertrag nur eine neue Form oder Anwendung eines
den Franken schon längst bekannten Vertrages war, so muß auch
das Recht dieses Vertrages die Grundlage des
Rechts jenes Vertrages seyn. Es müssen sich also aus je-
nem älteren Vertragsrechte die rationes legum feudalium (in so
ferm diese nicht auf der mit dem Lehnsherrn vorgegangenen Ver-
änderung beruhen) ableiten, theils auch diese Gesetze selbst ergänzen
lassen. Das war zugleich der Grund, warum das Lehnswesen auch
in andern germanischen Staaten verhältnißmäßig leicht Eingang fand,
z. B. auch in Deutschland ^). Denn überall fand es schon in den
ältesten Rechtsbegriffen des Volkes dieselbe Stütze, wenn auch nur
in Frankreich die besondere Veranlassung zur Entstehung der Lehne
vorhanden war, von welcher oben die Rede gewesen ist. Um so
mehr blieb also dem Lehnrechte, als es auch außerhalb Frankreichs
eingeführt wurde, sein ursprünglicher Charakter, — daß es nicht
eine für sich bestehende Wissenschaft, sondern nur der
Anhang oder die Modisication einer andern war.
Indem ich zur Bestätigung der obigen Folgerung einige Bei-
spiele anzuführen beabsichtige, bemerke ich nur noch vorläufig, daß
ich bei der Vergleichung des Lehnrechts mit dem Rechte, nach wel-
chem Allodialgüter ursprünglich besessen wurden, nur dasLongobar-
dische Lehnrecht zu Grunde legen werde, als eine Quelle des ge-
meinen deutschen Lehnrechts, welche überdieß unmittelbar von dem
französischen Lehnrechte abstammt. Dagegen kann und werde ich
mich bei demjenigen Rechte, mit welchem das Lehnrecht hier ver-
glichen werden soll, nicht auf einzelne Bestimmungen, sondern nur
auf die Grundideen dieser Lehre bezieh«. Doch das ist ja überhaupt

9) Besonders bemerkenswerth ist es, daß z. B. in Baden die Ge-
währ an marksäßigen Gütern von der Gemeinde geleistet wird.
Bad. Landrecht Satz 1585 a.

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