Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 7 (1842))

Binding: neueste Ausgabe der I^ex 8Mes. 379
Zufall auf die ganz zweifellose und unverkennbare Quelle fever drei
Titel geführt; er bemerkte nämlich, daß die Titel 81—85 des
Münchner Coder rein nur die Titel 78, 42 u. 75 der Lex Burgun-
dionum sind; nur erscheinen sie dort in einer höchst verdorbenen und
zugleich verstümmelten Gestalt, während sie die Lex Burgundionum
ganz vollständig, unverdorben und verständlich darbietet. Er glaubt,
Andern die unnütze Mühe, die er selber sich mit Ergänzung und
Herstellung des Textes jener Stellen, so wie mit Errathung und
Feststellung ihres Sinnes gemacht, durch diese Zeilen ersparen zu
sollen, und thut es um so lieber, als in der That diese 3 Titel in
das übrige System der Lex Salica nicht passen; denn, enthält die-
selbe gleich keine ausdrücklichen Bestimmungen über die Güterrechte
des superstes, so läßt sich doch schon mit Wahrscheinlichkeit aus
Titel 37. (39) der Lex Ripuar. de dotibus mulier, und aus den
Bestimmungen des eap. 9. lib. 4 der Capitulariensammlung des An-
segisus, die doch allgemeines fränkisches Recht enthält, mit ziem-
licher Gewißheit entnehmen, daß auch das salische Recht nur ähn-
liche Bestimmungen enthalten haben wird, während dagegen der
Titel 42 der Lex Burgund, in einer ganz andern Art die Verhält-
nisse der Wittwe bestimmt. Dort kommt überall nur eine tertia
pars collaborationis, hier eine pars totius substantiae vor.
Wie es nun kommt, daß der Münchner Coder der Lex Salica
gerade jene drei Stellen der Lex Burgundionum enthält, und in's
Besondere nach der von Feuerbach bezeugten Aufeinanderfolge dar-
beut, ist eine bei weitem nicht mehr so wichtige Frage, wie früher,
da nunmehr feststeht, daß dieselben kein fränkisches Recht enthalten.
Gleichwohl muß dieß immerhin noch auffallend erscheinen, da die
Lex Burgundionum selber diese drei Stellen keineswegs aufeinander-
folgen läßt, sondern an ganz verschiedenen Orten enthält, hierdurch
mithin die Vermuthung ausgeschlossen wird, daß etwa dem Münch-
ner Coder, wie nach Feuerbach pag. 103 außer der Lex Salica die
Lex Ripuar. und die Lex Alamann., so vielleicht auch noch die ganze
Lex Burgund, enthalten haben könnte. Schwerlich wird sich indessen
mit Bestimmtheit ein Grund dieses auffallenden Umstandes angeben
lassen, und man darf wohl mit desto größerer Zuversicht hier einen
bloßen Zufall annehmen, als von den höchst zahlreichen übrigen
Handschriften der Lex Salica keine andere die drei Stellen ausge-
nommen hat.

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