Full text: Volume (Bd. 7 (1842))

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Die erfrühete Erbfolge.
im Verhältm'ß mit den unabgefundenen Kindern und dem Ehegatten
freie Hand behalten, daß der Abgefundene von diesem engeren Fa-
milienverhältniß in Beziehung auf das Vermögen ausgeschlossen sein
soll. Insbesondere im Fall der Wiederverheirathung, in welchem
in den Statuten so oft die Abschichtung mit den Kindern erster Ehe
zur Pflicht gemacht wird, geschieht sie nur zu dem Zweck, damit das
durch die Abschichtung dem Parens bleibende Vermögen in ein Güter-
gemeinschaftsverhältniß zweiter Ehe gebracht werde, woran die Kinder
erster Ehe keinen Theil nehmen können; nur für diesen Zweck wird
dem Parens freie Dispositionsbefugniß verschafft, um zum Vortheil
der Genossen zweiter Ehe zu verfügen: nicht aber, um, wenn keine
solche vorhanden, mit Uebergehung der abgefundenen Kinder erster
Ehe, sein Vermögen anderen Personen zuzuwenden 10S). Wird bei
Auflösung der ersten Ehe das eheliche Gesammtgut nicht materiell,
nach den ursprünglichen Bestandtheilen, getrennt, sondern zu einer
Masse vereinigt und diese materielle Gütergemeinschaft unter dem
Ueberlebenden und den Kindern auf Gedeih und Verderb fortgesetzt
(communio bonorum prorogata), so daß den Theilnehmern ideelle
Theile zustehen, so ist die nachherige Schichtung mit den Kindern
genau genommen keine anticipirte Succession, sondern eine Theilung
der bestandenen Communion, wodurch die bisherigen ideellen Theile
zu reellen werden. Und da es möglich wäre, daß die Kinder dabei
vom ursprünglichen Vermögen des parcn8 superstes gar nichts er-
halten, wenn das Eingebrachte des defunctus größer war als das
seinige, so würde es um so unbilliger sein, ihre Ansprüche auf den
Pflichttheil durch die Schichtung nicht blos zurückgesetzt, sondern ganz
aufgehoben zu denken. Indessen gehen die Statuten auch hier von
der Idee aus, daß in der Fortsetzung der materiellen Gütergemeinschaft
die Kinder in ihren ideellen Theilen zugleich etwas vom Vermögen
des parens superstes erhalten (wie denn auch das von diesem,
nicht aber das von den Kindern ferner zugewonnene Vermögen in
die Gemeinschaft fällt 109), und durch die Schichtung davon abge-
sunden werden, aber nur um ihm freie Hand zu verschaffen, sich
ein anderes eheliches Gemeinschaftsverhältniß zu begründen. Und
in diesem Sinne läßt sich auch hier von einer anticipirten Succession

108) Deutsches eheliches Güterrecht §. 119.
109) Deutsches ehel. Güterrecht §. 114.
Zeitschrift f. deutsches Recht. 7. Bd. H. »

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