Full text: Volume (Bd. 7 (1842))

Entwicklungsstufen deö deutschen Rechts. 229
der schon vor der Einwanderung oder bei der Besitznahme des Lan-
des sich durch Kriegschaten ausgezeichnet hatte, eines größer« Land-
strichs, einer Herrschaft, die er unter seine hörigen Leute gegen ge-
wisse Frohnen und Zinsen als Nutzeigenthum vertheilte '"). Bald
baute sich auch ein einzelner Landmann in einer bergigen und wal-
digen Gegend an, und es entstanden, indem sich in der Folge die
Nachkommen des Besitzers des ältesten oder des Haupthofes, um-
geben von dem von ihnen gerodeten Lande, ansiedelten (wie z. B.
in Westphalen), Bauerschaften u). (So war also schon durch die
erste Vertheilung des Bodens der Grund zu jener Ungleichheit seiner
Besitzer gelegt, welche der Verfassung eine Tendenz oder Richtung zur
Aristokratie gab, die sich schnell bethätigend, auch jetzt noch nicht,
ungeachtet so mancher Veränderungen, ihren Einfluß verloren hat.
Denn das heutige Deutschland ist, abgesehen von den Städten, in
Beziehung auf den Grundbesitz auch jetzt noch nicht von dem dama-
ligen so verschieden als es Viele zu glauben scheinen. Die Besitzer
großer Grundstücke aber sind der wahre deutsche Adel.)
Die Vertheilung des Grundes und des Bodens zum Sottder-
eigenthum konnte ferner unter den Verhältnissen, unter welchen sie
geschah, nicht auf eine willkührliche Occ-upation der Einzelnen
zurückgeführt oder von ihr abgeleitet werden. Sondern gleich an-
fangs mußte sich die Ansicht bilden, daß das Eigenthum an dem
Grund und Boden des Landes der Volksgemeinde (dem Staat)
gehöre, diese aber die Ausübung ihres Rechts den Einzelnen^ den
Sondereigenthümern des Grundes und des Bodens, verliehen habe.
Denn eine jede Völkerschaft war, durch eine militärische Organi-
sation zu einem Ganzen vereiniget, ins Land eingewandert und
hatte in dieser Eigenschaft das Land im Ganzen nach dem Rechte
der Eroberung in Besitz genommen. Auch dauerte sie von nun an
10) »Caetcris servis,« (d. i. denen, die nicht im Spiele ihre Freiheit ver-
loren haben) »non in nostrum morem descriptis per familiam mini-
steriis utuntur. Suam quisque sedem, suos penates regit. Fru-
menti modum dominus, aut pecoris, aut vestis, ut colono, injungit.
Et servus hactenus paret.« Tacitus a. a. O. eap. 25«
11) »Colunt discreti ac diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit.
Vicos locant, non in nostrum morem, connexis et cohaerentibus
aedificiis; suam quisque domum spatio circumdat; sive adversus
casus ignis remedium, sive inscitia aedificandi.« (!) Ebend. eap.16.

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