Full text: Volume (Bd. 7 (1842))

Ueber die s. g. Gregorische Computation. L93

§. 12.
5. Somit finden wir uns allein auf den, Gregor dem Gr.
selbst zugeschriebenen, Brief35) ad Augustinum (a. 601.) reducirt. —
Dieser scheint unter mehreren für die Eheverbote genannten Briefen
Gregors, z. B. noch ad k'elicern, ed. Turretanum, der einzige
echte; was durch die Benedictiner wohl erwiesen ist. Es ist nicht
unwahrscheinlich, daß sein, mit dem späteren Kirchengebrauch strei-
tender, Inhalt die übrigen Briefe veranlaßt habe. Beda, in seiner
Geschichte, hat nur den echten Brief, — Egbert's Ercerpte und
Paull. Diaconus haben schon einen falschen, ebenso das conc. Du-
ziacense, — zum Th eil aus Aeußerungen Gregors des H. und III.
gemacht, und jedenfalls die Canonische Computation enthaltend. —
Indeß wenn wir auch an der Echtheit des vorliegenden Textes
nicht zweifeln: so ist damit seine Anwendbarkeit für den hier zu be-
schaffenden Beweis noch nicht zugleich zugegeben. — Der bezügliche
passus lautet:
Quaedam terrena lex in Romana republica permittit, ut, sive
fratris et sororis, seu duorum fratrum germanorum, vel dua-
rum sororum filius et filia misceantur. Sed experimento di-
dicimus, ex tali conjugio sobolem non posse succrescere, unde
necesse est, ut jam tertia vel quarta generatio fidelium licen-
ter sibi jungi debeat. Nam in secunda, quam praediximus,
omnino debet abstineri.
Daß Gregor mit der secunda generatio die Geschwisterkinder
meint, und dabei das Justinianische Recht im Auge hat, welches
deren Ehe gestattet, — bedarf keines Beweises. Dieß stellt aber
noch nicht heraus, welcher Zählart er sich dabei bedient hat. Denn
der Grad der Geschwisterkinder ist der einzige, in welchem Cano-
nische und Gregorische Computation übereinstimmen. Er ist nach
beiden der zweite. — Wenn wir nun, wie es der Fall ist, bis jetzt
noch keine bestimmte Spur der Gregorischen Computation gefun-
den haben: ist es da thunlicher, auch in diesem Falle die deutsche
Ansicht der Familie zu vermuthen, — oder eine neue, sogenannte
Gregorische, dafür erst zu erfinden? — Denn daß in dieser Stelle
irgend eine wirkliche Hindeutung auf dieselbe liege, ist wohl kaum
behauptet.

35) Benedictiner Asg. ej>. 64 Ub. lt.

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