Full text: Volume (Bd. 7 (1842))

das deutsche Recht.

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handelte, die dem gesunden Menschenverstände alle Geltung absprach,
welche überall Heimlichkeit an die Stelle der Oeffentlichkeit setzte, die, in
der strengsten Abhängigkeit von der Gewalt lebend, überall ihr das Wort
führte und ihre Interessen vertrat, überall die Wurzeln der Freiheit be-
nagte."
Eine gleiche Stimmung zeigt sich in den Blättern, welche die
öffentliche Meinung des Tages vertreten, und zwar in Blättern von
sehr verschiedener Richtung. Wir hätten hierauf weniger geachtet,
wenn uns nicht kurze Zeit, nachdem die Puchtaffche Anzeige erschie-
nen war, wo auf den Strom der Zeit drohend hingewiesen ist,
einige jener Blätter Vorgelegen wären. Bemerkt haben wir uns
einen Artikel in der oberdeutschen Zeitung v. I. 1841. Nr. 32,
welcher sehr beherzigenswerthe Wünsche für ein allgemeines deut-
sches Handelsgesetzbuch vorträgt, und bei diesem Anlasse
über den gegenwärtigen Rechtszustand sich folgendermaßen ausläßt:
„So wie es jetzt steht, weiß Niemand rechten Bescheid; die schöne
sten und tüchtigsten Geisteskräfte zersplittern sich an dem unnennbaren
Wirrwarr fremder, veralteter, unser» Sitten und Gebräuchen nicht ent-
sprechender Gesetze. Und was sind endlich die Früchte all' dieses Mü-
hens, was gewinnt die Wissenschaft und was das Volksrecht, daß Jener
im longobardischen, Dieser im griechischen, ein Anderer im römischen
Rechte eine neue Lesart entdeckt, eine neue Inschrift auffindet, ein neues
Edikt eines obskuren Prätors aus dem Staube einer alten Bibliothek
zum Unheil der Wissenschaft und des Volkes hervorgräbt? Man blicke
auf die traurigen Erscheinungen, welche dieser Rechtszustand in Bezug
auf unsere Hochschulen, auf unsere Söhne, auf unfern Staatsdienst her-
vorruft und nothwendig Hervorrufen muß! Statt eines frischen Vor-
trags über angestammte und volkSthümliche Gesetze, über Rechte, die mit
uns geboren sind, in denen wir leben und weben, werden die jugendli-
chen Gemüther, die mit der Begeisterung ihres Alters, mit der ihnen
eigenthümlichen Liebe für Vaterland, mit dem lebendigen Sinn für na-
türliches und volksthümliches Recht unsere Hochschulen besuchen, mit ei-
nem unabsehbaren Wust fremder Gesetze und fremder Institute über-
schüttet; statt der natürlichsten aller Erwartungen, das Recht ihres Volkes
in seiner schönen, volltönenden Sprache vorgetragen zu sehen, vernehmen
sie eine Sprachschändung, wo jede Hauptsache, wie eine ausländische
Waare, in ausländischer Sprache bezeichnet wird, und statt daß ihnen
ein Gesetzbuch in bündiger, kräftig kurzer Fassung übergeben würde, ver-
weist man sie auf ein aus sechs Folianten bestehendes corpus juris glos-
satum, «nd überläßt den Verzweifelten, hieraus dem deutschen Bürger

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