Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 7 (1842))

Bauerschafts - Verfassung in Dithmarschen. 109
niffes. Wer nämlich einen s. g. Gemeindenutzen hatte, der war
Gemeindsmann; der Gemeindsmann aber hatte Sitz und Stimme
in der Gemeindeversammlung, mit anderen Worten, er war Voll-
bürger; wer den Gemeindenutzen aber nicht hatte, war ein Bei-
sitzer. Der Gemeindenutzen, deren herkömmlich immer eine bestimmte
Anzahl bestand, war nun aber für jeden, der ihn besaß, ein nach
Willkühr veräußerliches Objekt. Fanden nun Veräußerungen statt,
so war der Erwerber Gemeindsmann, der Veräußerer aber ein
Beisitzer; mit anderen Worten, man erlangte die Eigenschaft als
Gemeindsmann durch den Ankauf eines Gemeindenutzens. An der
Spitze der Gemeindsleute stand ein aus ihnen gewählter Beamter,
nämlich der alte ehrwürdige Grebe. Hier war nun der Punkt, wo
sich das Gebäude an das größere Staatsgebäude lehnte."
Die neue Gemeindeordnung Ln Hessen vom 23. October 1834 hat
der alten Dorfschastsgemeinde, die noch immer auf genossenschaftlichem,
Gesammteigenthume, auf Ruinen der ursprünglichen Feldgemeinschaft
ruhte, eine neue Ortsbürgerschast substituirt, die auf rein politischem
Grunde sich aufbauen soll. Heilloser Unfrieden, die unseligste Zwietracht
und Verwirrung ist damit hervorgerufen worden. Es ist dahin ge-
kommen, daß in der Mehrzahl der oberhessischen Landgemeinden die
Einwohner in den erbittertsten processualischen Händeln begriffen sind.
Man hat es offenbar verabsäumt, für den neuen Bau erst den
Grund und Boden genau zu untersuchen und gehörig zu bereiten.
Es ist übersehen worden, daß die Einführung der neuen Gemein-
deordnung ein eigenes vermittelndes Präliminärverfahren, eine ganz
specielle Localisirung erforderte, und daß die alten Gemeinden erst
im Wege des Vergleichs und obrigkeitlicher Regulirung, durch ört-
liche Communalstatuten neu zu organisiren waren, bevor die zeitge-
mäße Ortsbürgerschaft, ohne Störung der Eigenthums- und Be-
sitzverhältnisse und ohne Verletzung wohlerworbener Rechte, dort
friedlich und gedeihlich sich einzurichten vermochte *). So gewiß als

*) Dieselbe Wahrnehmung läßt sich in Württemberg machen, indem
die Einführung der altwürttembergischen Gemeindeverfaffung, welche
auf den Personal-Verband gegründet ist, in den neuen Landen,
wo mitunter noch Real-Verband galt (auf diesen Gegensatz ist
meines Erachtens die auch anderwärts angeregte Frage über das
Rechtsame-Verhältniß, oder der Streit zwischen Groß- und Klein»

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