Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 7 (1842))

108

Michelsen:
Nachschrift.
Die vorstehende Mittheilung lag schon für den Druck bereit,
als mir das so eben erschienene erste Heft einer Sammlung „hessi-
scher Rechtsgewohnheiten" von Dr. Carl Sternberg, welches als
Beittag zu der Lehre von der deutschen Markenverfassung den ober-
hessischen „Gemeindsnutzen" darstellt, in die Hand fiel. Man fin-
det darin genau dieselbe Materie erörtert, wie in gegenwärtiger
Abhandlung, so daß ein Thema, welches in dieser Auffassung und
Anwendung bisher in der germanistischen Literatur nicht behandelt
war, jetzt zu gleicher Zeit zweimal aus ganz verschiedenen Gegen-
den Deutschlands auf wesentlich gleiche Weise 19) zur Sprache ge-
bracht ist. Es möchte sich daraus für das deutsche Rechtsgebäude
ein unmittelbar verwendbarer Grundstein ergeben; denn daß in deut-
schen Landen vielerwärts jenes Institut, mit derselben ursprüng-
lichen Gestaltung und derselben späteren Geschichte, als altherge-
brachte Communalverfassung erscheint, ist mir nicht blos aus histo-
rischen Studien, sondern vielmehr aus gelegentlichen Erkundigungen
bekannt.
Die Abhandlung Sternberg's ist besonders lehrreich durch die
darin zahlreich mitgetheilten Actenftücke. In einer von ihm selber als
Obergerichtsanwalte verfaßten Vorstellung der Gemeinden der Forste
Ebsdorf, Caldern und Lohra an das Staatsministerium wird unter
anderem S. 4.04—105 gesagt: „Um die wahre Bedeutung der Sach-
lage zu begreifen und richtig zu würdigen, ist cs nöthig, auf die
frühere Verfassung dieser Commünen einen Blick zu werfen; denn,
wenn auch hie und da keine Abweichungen sich finden, so bleiben
doch die Grundzüge für jede Commüne ziemlich dieselben. Zufolge
einer in den Landgemeinden des Oberfürstenthums bestandenen, in
die graue Vorzeit hinaufreichenden Gewohnheit war bis zu der neuen
Gemeindeordnung das Verhältm'ß der Regel nach folgendes: —
Der s. g. Gemeindenutzen erstreckte sich über den ganzen, zu der
Gemarkung gehörigen, nicht im Eigenthume Einzelner befindlichen
Grund und Boden, insbesondere über Wald und Hute. Der Ge-
meindenutzen war nun die Grundlage des ganzen Communalverhält-

19) Wir sehen dabei von den allgemeinen Bemerkungen über die deut-
sche Urverfaffung überhaupt ganz ab. —

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer