Full text: Volume (Bd. 7 (1842))

Bauerschafts; Verfassung in Dithmarschen. 105
folglich hin und wieder die Nothwendigkeit auf, eine andre Norm
für das „Meentwerken" als die nach Meenten aufzustellen, und
namentlich die nach dem Land- oder Pferdebesitz vorzuschreiben. Die
Bauerschastsbeliebungen, welche die Norm enthielten, kämm aber
aus legitimen Wegen allein durch den Beschluß der versammelten
Meenthaber zu Stande. Die Meenthabergewalt belastete und be-
steuerte also die landbesitzenden Köthner: es gab in der Bauerschaft
eine herrschende und eine beherrschte Gemeinde, jene die der Meent-
haber, diese die der Köthner. Die active Gemeinde legte in der
Gemeindebeliebung, welche obrigkeitliche und gerichtliche Confirma-
tion fand, die bauerschaftlichen Lasten mit auf die passive Gemeinde,
die sogenannten Köthner, behielt dagegen die Gerechtsame und die
Gemeindekaffe mit ihren Einnahmen für sich. In manchen Dörfern
hatten es auch die Köthner, bei irgend günstiger Gelegenheit, durch-
zusetzen gewußt, daß sie bei gewissen Angelegenheiten, namentlich
bei der Wahl der Bauerschaftsvorfteher, mit zugezogen werden muß-
ten 15). „Dadurch sind denn eigentlich zwei Arten von Bauerschafts-
versammlungen in demselben Dorfe entstanden: die eine ausschließ-
lich aus den Meenthabern bestehend und die Regel bildend, die an-
dere aus allen Eigenthümern, oder selbst den Häuerlingen mitbeste-
hende Bauerschaftsversammlung, welche ausnahmsweise eintrat. In
einzelnen Fällen sind die Meenthaber zu einer bloßen Privatgesell-
schaft geworden, die noch unaufgetheilte Gemeinheit ist ihnen blos
als Besitz einer Privatgesellschaft gelassen, die aus ihrer Mitte er-
wählten Bauerschaftsgevollmächtigten sind Vorsteher dieser Privat-
gesellschaft geworden, die Bauerschaft selbst aber hat eine andere
Grundlage als die Meenthaberverfassung erhalten, und ihre von
jenen verschiedene Bauerschaftsgevollmächtigte gewählt. Das ist
z. B. in Meldorf der Fall, aber auf eine höchst unvollkommene
Weise in's Werk gerichtet, so daß namentlich noch viele eigentliche
Bauerschafts - oder Fleckenslasten bei den 109 Meenthabern oder
Bürgern zurückgeblieben, und daß die Vorsteher derselben, die Bür-
gersechsen, noch viele Rechte ausüben, welche den Bauerschaftsge-
vollmächtigten, hier Fleckensvorsteher genannt, eigentlich zustehen."
Jeder Unbefangene, wer nicht neben dem historischen Recht
zugleich das historische Unrecht liebt, wird einräumen, daß hier mit

15) Vgl. Dithm. Zeit. a. a. O. S. 15.

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