Full text: Volume (Bd. 9 (1899))

5. Abhandlungen

5.1. Einzelne Schuldverhältnisse : (II. Buch, 7. Abschnitt, 1.-23. Titel.)

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Abhandlungen.
Einzelne Schuldverhältnifse.
(II. B. 7. Abschn. 1.—23. TU.)
Vorträge des Oberjustizraths H. Tränkner.
I. Vortrag. Kauf.
Hochverehrte Anwesende! Zwei Hauptunterschiede sind es namentlich, die
in der Lehre vom Kaufe zwischen dem Sachs. Bürgerlichen Gesetzbuch und dem
Deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch bestehen: sie betreffen 1. den Uebergang der
Gefahr auf den Käufer und T.die Rechtsverschaffungspflicht des Ver-
käufers.
Zu 1. Nach Sächs. B.G.B. 8 866 geht, wie nach R.R?) die Gefahr,
des periculum interitus rei, bei allen aus Veräußerung einer dem Stücke nach
bestimmten Sache gerichteten Verträgen und somit auch beim Kaufe einer species
in der Regel schon mit dem Abschlüsse des Vertrags auf den Erwerber der Sache
über (vergl. auch Sächs. B.G.B. § 1091). Von diesem Zeitpunkte an hat also
auch der Käufer einen Zufall, der die Leistung der Sache unmöglich macht, zu
tragen. Dies gilt auch von einem Zufalle, wodurch die Sache verschlechtert wird,
von dem periculum deteriorationis;
z. B. der Käufer eines Pferdes läßt das letztere noch im einstweiligen Ge-
wahrsam des Verkäufers, die Uebergabe soll erst am folgenden Tage stattfinden.
In der Nacht zwischen dem Kaussabschlusse und dem Tage, an dem die Uebergabe
stattfinden soll, steht das Pferd in Folge eines Zufalles um, ohne daß den Ver-
käufer eine Verschuldung trifft. Hier muß nach Sächs. Gesetzbuch der Käufer
gleichwohl den vollen Kaufpreis an den Verkäufer bezahlen, denn er hat die Ge-
fahr des Verlustes des Pferdes zu tragen. (§ 868 Verb. § 1013 des S-
B.G.B.'s).
Nur bei sog. vertretbaren (fungiblen) Sachen, die erst noch einer Ausscheidung
aus einer Gattung durch Zuzählung, Zumessung, Znwiegung bedürfen, haftet
der Käufer für den Zufall erst von Zeit der erfolgten Ausscheidung an (vergl.
Sächs. B.G.B. 8 1091 Satz 2);
*) „perfecta emtione periculum ad emtorem spectat“.
Archiv für Bürgerl. Recht und Prozesj- IX.

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