Full text: Volume (Bd. 9 (1899))

612 Dr. Tändler, Heber das Zwaiigsversteigerungsverfahren.
überall trotz dieser Ausscheidung erreicht war. Sie werden besonders versteigert.
Das Höchstgebot beträgt noch 200 Ji für die Mähmaschine und 800 Ji für die
Dreschmaschine.
Die Versteigerung ist in allen Fällen so lange fortgesetzt worden, bis der
Aufforderung des Gerichts ungeachtet ein Gebot nicht mehr abgegeben wurde. (§ 73.)
Die Verkündung des letzten Gebotes geschah mittels dreimaligen Aufrufes. Geschlossen
werden darf die Versteigerung aber nicht vor Ablauf einer Stunde seit der Auf-
forderung zur Abgabe von Geboten. Beide Zeitpunkte müssen im Protokolle ver-
merkt sein.
8 20.
Im Uebrigen ist nun zwar das Versteigerungsgeschäft zu Ende. Aber nun
folgt noch die Verhandlung über die Ertheilung des Zuschlags mit den Be-
theiligten. Dabei könnte es, wenn die Sache nicht so günstig verlaufen wäre,
wie in dem gewählten Beispiele, auch zu einer nochmaligen Wiederaufnahme der
Versteigerung kommen zu anderen Bedingungen, wenn das ein Betheiligter ver-
langt, den das vorliegende Ergebniß nicht befriedigt.
Andererseits kann von einem nicht vollgedcckten Gläubiger der Antrag ge-
stellt werden, daß ein neuer Termin zur Versteigerung anberaumt wird. (8 85.)
Damit wird er aber nur gehört, wenn er sich erbietet, den durch Versagung
des Zuschlages entstandenen Schaden zu ersetzen.
- Es kann ja Vorkommen, daß unter der Einwirkung vorübergehender Um-
stände das Versteigerungsergebniß so ist, daß es dem Werthe der Grundstücke
nicht entspricht. Zum Beispiel ein paar Reflektanten, auf die der Gläubiger
rechnen zu können glaubt, sind verreist. Oder in nächster Zeit ist die Beschluß-
fassung über einen Bebauungsplan für die Flur Pillnitz zu erwarten, von deren
Ergebnisse es abhängt, ob werthvolle Baustellen aus dem Bauergute unseres
Schuldners Sauer zu machen sind.
Auf solche Dinge nimmt schon unsere Sächsische Subhastationsordnung in
§ 126 Rücksicht, wenn der Antragsteller durch entsprechende Sicherheitsleistung
dafür sorgt, daß Niemand dabei zu Schaden kommt. Nach dem Reichsgesetze ist
er aber zur Sicherheitsleistung nur auf Verlangen eines anderen Belheiligte» ver-
pflichtet. Dann ist die Sicherheit in Höhe des Betrages zu leisten, der im Ver-
steigerungstermine zu bezahlen wäre, um das bisherige Meistgebot zu erfüllen.
Eine bestimmte Frist für den neuen Termin ist nicht vvrgeschrieben. Ver-
fahren wird darin so, als hätte noch gar keine Versteigerung stattgesundm. Aber
das geringste Gebot wird anders berechnet. Es wird gebildet aus dem bisherigen
Meistgebote unter Hinzurechnung der inzwischen aufgelaufenen Zinsen.
Wird dieses Gebot nicht erreicht, so kann nicht etwa ein dritter Versuch
gemacht werden, sondern das Verfahren wird eingestellt und die Belheiliglen sind
darauf angewiesen, ihren Schaden gegen den Antragsteller im Prozeßwege geltend
zu machen. ' . ’.

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