Full text: Volume (Bd. 9 (1899))

21.2. Mittheilungen aus neueren Entscheidungen des Reichsgerichts.

Mittheilungen aus neueren Entscheidungen deS Reichsgerichts. 587
dieselbe zwar einer vom Konkursverwalter erhobenen Klage gegenüber im Wege
der Kompensation zur Aufrechnung bringen, nicht aber für den überschießenden
Betrag Widerklage erheben kann, und zwar auch dann nicht, wenn der Konkurs-
verwalter den Gegenanspruch sachlich vollkommen anerkennt.
(Aus der Jur. Zeitschr. für Elsaß-Lothringen 23. Jahrg, (1898) S. 425 flg.)

Mittheilungen aus neuere» Entscheidungen des Reichsgerichts.
1. Schadenersatzpflicht wegen Arglist.
Wie das Reichsgericht vielfach ausgesprochen hat, kommt die Voraussehbar-
keit eines Schadens für den Kausalzusammenhang zwischen Handlung und Be-
schädigung nicht in dem Sinne in Betracht, daß gerade der eingetretene konkrete
Schade vorausgesehen werden konnte. Vielmehr genügt es zur Herstellung des
Zusammenhanges, daß überhaupt irgend ein Schade als Erfolg der Handlung sich
voraussehen ließ.
Vergl. z. B. Urtheil vom 11. Juli 1888 (Entsch. Band 23, Seite 137),
Urtheil vom 25 September 1889 (Bolze, Band 8, Nr. 180), Urtheil vom
8. Februar 189? (Juristische Wochenschrift 1897, Seite 189, Nr. 38).
Nun nimmt das Berufungsgericht mit Recht an, daß, wenn der Kridar
beim Abschluß des Nachlaß-Abkommens mit Sch. sich insofern einer Arglist schuldig
gemacht habe, als er dem Kläger vorsätzlich verheimlichte, daß er zur Tilgung
seiner Forderung außer den vom Kläger herzugebenden 50 Prozent derselben sich
noch weitere 20 Prozent in Accepten des Sch. selbst ausbedungen habe, weil ihm
bekannt war, daß der Kläger zur Hergabe der 50 Prozent nur unter der Be-
dingung bereit war, daß damit die ganze Schuld seines Schwagers Sch. getilgt
würde, hierdurch sich der Kridar für den dem Kläger durch die Hingabe der
50 Prozent erwachsenen Schaden haftbar gemacht haben würde. Es ist offenbar,
daß der Kridar, indem er den Kläger durch seine Arglist zunächst bestimmte, für
seinen Schwager Sch. 7000 Mk. herzugeben, die er andernfalls nicht hergegeben
haben würde, dies nur in dem Bewußtsein thun konnte, daß damit der Kläger
der Gefahr ausgesetzt wurde, diese Summe ganz oder thcilweise zu verlieren.
Die Voraussicht eines den Kläger schädigenden Erfolges seiner Handlungsweise
war also dann gegeben. Damit ist aber die Grundlage der Haftung für jede
weitere aus dem arglistigen Verhalten des Kridars hervorgegangxne Beschädigung
des Klägers vorhanden, ohne daß es darauf ankommt, ob gerade deren Ent-
stehung und Umfang von dem Kridar vorausgesehen werden konnte. Handelte
er arglistig, um den Kläger zum Eintreten für seinen Schwager Sch. zu be-
stimmen, so wird seine Haftung aus dieser Arglist nicht durch seine Kenntniß
davon begrenzt, in welchem Umfange der Kläger für seinen Schwager einzutreten
beabsichtigte. Der Umstand, daß der Kridar bezüglich der vom Kläger her-
zugebciidcn 7000 Mk. zu diesem in ein unmittelbares Vertragsverhältniß getreten

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