Full text: Volume (Bd. 9 (1899))

Rüger, Aus dem Erbrechte deS Deutsch. BG.B.'s. 477
darf (§ 225 Abs. 2 K.O. n. F.). Bestand die von dem Erben vor der Konkurs-
eröffnung berichtigte Nachlaßverbindlichkeit in einem Pflichttheilsanspruche oder einem
Vermächtnisse, so kann der Verwalter überdies die Leistung nach den nämlichen
Grundsätzen anfechten, wie er eine unentgeltliche Verfügung des Erben anfechtcn
darf (§ 222 K.O. n. F.). Diese Anfechtungsbefugniß steht dem Konkurse zu,
gleichviel ob er die Berichtigung der Verbindlichkeit durch den Erben gegen sich
gelten lassen muß, oder nicht, und sie gereicht im letzteren Falle auch dem Erben
zum Vortheile, sofern sich dessen Haftung dem Konkurse gegenüber insoweit mindert,
als dieser auf Grund seines Anfechtungsrechts Riickgewähr des Geleisteten empfängt.
Ist hiernach auch das Gesetz dem Interesse des Erben möglichst entgegengekommen,
so liegt cs doch auf der Hand, wie unangenehm sich dessen Lage gestalten kann,
wenn er nach längerer Zeit über jeden Pfennig, den er aus der Erbschaft veraus-
gabt oder für die Erbschaft zu vereinnahmen unterlassen hat, Rechenschaft ablegen
und für das Fehlende mit dem eigenen Beutel aufkommen muß.
Zum Schutze gegen solche Nachtheile sind dem Erben verschiedene Rechls-
behelfe an die Hand gegeben. In jedem Falle wird ein vorsichtiger Erbe so bald
als möglich ein sorgfältiges Verzeichniß der Nachlaßaktiven und Passiven aufstellen.
Dies wird sich der Regel nach selbst dann empfehlen, wenn die Zahlungsfähigkeit
des Nachlasses außer allem Zweifel zu stehen scheint; denn verdeckte, möglicher-
weise dem Erblasser selbst noch unbekannte Verbindlichkeiten sind bei Niemandem
ausgeschlossen; man braucht nur an große Vertretungsposten zu erinnern, die sich
ergeben können, wenn der Erblasser fremdes Vermögen verwaltet hat, Mitglied
des Aufsichtsraths einer Aktiengesellschaft gewesen ist u. s. w. Es wird später
noch zu erwähnen sein, daß der Erbe von den Nachlaßgläubigern zur Errichtung
eines Inventars aufgefordert werden kann. Unter Uniständen wird der Erbe im
eigenen Interesse handeln, wenn er dem Nachlaßgerichte ein formgercchtes Inventar
unaufgefordert überreicht, wie ihm das Gesetz ausdrücklich nachgelassen hat (§ 1993).
Die Prüfung der Kräfte des Nachlasses wird aber nach Befinden nicht ganz ein-
fach und deshalb zeitraubend sein. Mit Rücksicht hierauf giebt das Gesetz dem
Erben das Recht, die Berichtigung einer Nachlaßverbindlichkeit bis zum Ablaufe
der ersten drei Monate nach der Annahme der Erbschaft, jedoch, wenn ein In-
ventar errichtet wird, nicht über dessen Errichtung hinaus, zu verweigern (§ 2014).
Dieses Einrederecht schützt den Erben zwar weder gegen eine unter dem Vorbehalte
der beschränkten Haftung ergehende Verurtheilung (§ 305 Abs. 1 C.P.O. n. F.),
noch gegen eine Zwangsvollstreckung, aber er kann verlangen, daß die Zwangs-
vollstreckung für die Dauer der dreimonatlichen Frist auf solche Maßregeln be-
schränkt bleibe, die zur Vollziehung eines Arrestes zulässig sind (§ 782 C.P.O. n. F.).
Hierdurch ist insbesondere die Auszahlung gepfändeten Geldes an den Gläubiger
und die Versteigerung gepfändeter Sachen ausgeschlossen. Diese Beschränkung der
Zwangsvollstreckung kann der Erbe auch gegenüber seinen eigenen Gläubigern, die

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