Full text: Volume (Bd. 9 (1899))

468 Nüger, Aus dem Erbrechte des Deutsch. BG.B.'s.
für sämmtliche Betheiligte, den Erben, de» Testamentsvollstrecker, den Nachlaß-
gläubiger und den Erbenglältbigcr und wer sonst noch mit diesen Personen in
Verkehr treten will, namentlich aber auch für den Richter und den Rechtsanwalt
großer Vorsicht bedürfen wird, sich im einzelnen Falle der Feinheiten des Gesetzes
bewußt zu bleiben.
Ich habe bisher fast ausschließlich von den Rechten des Testamentsvoll-
streckers gesprochen. Hierzu gehört noch, daß der Testamentsvollstrecker neben
dem Ersätze seiner Aufwendungen für die Führung seiner Geschäfte eine ange-
messene Vergütung verlangen kann. Diese Honorarforderung gebührt ihm nur
dann nicht, wenn der Erblasser etwas Anderes bestimmt hat (§ 2221). Das
geltende Sächsische Recht (§ 2245) ist dem Testamentsvollstrecker nicht in gleichem
. Maße günstig.
Was nun die Kehrseite des Verhältnisses, nämlich die Verpflichtungen des
Testamentsvollstreckers betrifft, so bedarf es kaum der Erwähnung, daß derselbe
den Betheiligtcn gegenüber zur ordnungsmäßigen Verwaltung verpflichtet ist
(§ 2216 Abs. 1). Ordnungsmäßig im Sinne des Gesetzes ist die Verwaltung
namentlich auch dann, wenn sie den letztwilligen Anordnungen des Erblassers ent-
spricht. Solche Anordnungen können sich freilich unter Umständen auch als recht
unzweckmäßig, ja als schädlich Herausstellen, vielleicht ohne Schuld des Erblassers,
wie z. B. wenn dieser verfügt hätte, daß der Nachlaß in Werlhpapicren angelegt
werde, die sich hinterher als ganz unsichere Kapitalanlage erweisen. Hier läßt
das Gesetz eine Korrektur des Erblasscrwillens zu. Auf Antrag des Testaments-
vollstreckers oder eines anderen Betheiligten kann das Nachlaßgericht solche An-
ordnungen außer Kraft setzen, wenn ihre Befolgung den Nachlaß erheblich ge-
fährden würde (§ 2216 Abs. 2).
Im klebrigen bestimmen sich die Verpflichtungen des Testanlentsvollstreckcrs
gegen den Erben in der Hauptsache nach den Vorschriften über den Auftrag
(§ 2218). Er ist zur Aufnahme und Mittheilung einos Nachlaßverzeichnisscs(Z2215),
zur Rechnungslegung (§ 2218) und bei schuldhafter Verletzung seiner Obliegen-
heiten zum Schadenersätze (§ 2219) verpflichtet. Zum Schutze des Erben ist be-
stimmt, daß der Erblasser den Testamentsvollstrecker von keiner dieser Verpflich-
tungen befreien darf (§ 2220).
Nachlaßgegenstände, deren der Testamentsvollstrecker zur Erfüllung seiner
Obliegenheiten nicht bedarf, hat er dem Erben auf Verlangen zur freien Ver-
fügung zu überlassen. Es ist dem Erben nicht ganz leicht gemacht, mit diesem
Verlangen durchzudringen, sofern das Gesetz verlangt, daß die Entbehrlichkeit eine
offenbare sein müsse (§221? Abs. 1). Auch wird die Weigerung des Testaments-
vollstreckers, den Nachlaß herauszugcbcn, der Regel nach dann als berechtigt er-
scheinen, wenn noch ungetilgte Nachlaßverbindlichkeiten vorhanden sind. Dies könnte
die Auslieferung auf ungcmessene Zeit hinausschieben und es ist daher bestimmt,
daß in gewissen Fällen, namentlich sofern bedingte oder betagte Vermächtnisse in

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