Full text: Volume (Bd. 9 (1899))

Rüger, Aus dem Erbrechte des Deutsch. B.G.B.'s.

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Einem Testamentsvollstrecker, dem man in Beziehung aus die Ausführung
des letzten Willens und die Auseinandersetzung zwischen den Miterbeir so weit
gehende Befugnisse beilegte, wie sie soeben erörtert worden sind, konnte man nun
auch nicht versagen, was gewissermaßen als Attribut dieser Befugnisse zu gelten
hat, nämlich die Verwaltung deS Nachlasses. Daraus ergiebt sich dann wiederum
von selbst das Recht, den Nachlaß in Besitz zu nehmen und über die Nachlaß-
gegenstände zu verfügen (§ 2205). Aber auch dabei konnte man nicht stehen
bleiben; die Abwickelung der schwebenden Geschäfte und die Beschaffung der zur
Bertheilung erforderlichen Mittel wird unter Umständen auch die Eingehung
neuer Verbindlichkeiten für den Nachlaß nothwendig machen. Auch hierzu soll
der Testamentsvollstrecker befugt sein, jedoch nur insoweit, als die Eingehung zur
ordnungsmäßigen Verwaltung erforderlich ist, oder als die Verbindlichkeit sich
richtet auf eine solche Verfügung über einen Nachlaßgegenstand, zu welcher der
Testamentsvollstrecker berechtigt ist (8 2206 Abs. 1). Im Verkehre mit Dritten
kann dieser Vorbehalt sowohl dem Vollstrecker, wie auch dem Dritten Schwierig-
keiten bereiten, da es nicht immer ohne Weiteres erkennbar sein wird, ob die
fraglichen Voraussetzungen wirklich vorliegcn. Das Gesetz verpflichtet deshalb den
..Erben, zur Eingehung solcher neuer Verbindlichkeiten seine Einwilligung zu er-
theilen, unbeschadet seines Rechts, die Beschränkllng seiner Häftling für die Nach-
laßverbindlichkeiten geltend zu machen (§ 2206 Abs. 2).
Besondere Schwierigkeiten, sowohl in Ansehung des Prinzips, lvie auch
hinsichtlich der Durchführung im Einzelnen bietet die Prozeßführung. Nicht
zweifelhaft konnte es bei dem einmal eingenommenen Standpunkte sein, daß dem
Testamentsvollstrecker, soweit ihm die Verwaltung gebührt, auch das Recht zu-
stehen muß, die dieser Verwaltung unterliegenden Rechte agendo geltend zu
machen, und zwar unter Ausschluß des Erben (§ 2212), aber mit Wirkung der
Rechtskraft für und gegen den Erben, wie in letzterer Hinsicht die Novelle
zur C.P.O. (Z 327 neue Fassung) bestimmt hat. Handelt cs sich jedoch
um einen gegen den Nachlaß gerichteten Anspruch, so kann dieser, lvenn bem
Testamentsvollstrecker die Verwaltung nicht gebührt, nur gegen den Erben geltend
gemacht werden. Steht aber dem Testamentsvollstrecker die Verwaltung zu, so
kann der Anspruch sowohl gegen den Erben, als auch gegen beit Testamentsvoll-
strecker verfolgt werden, mit Ausnahme des einzigen Falles, daß es sich um
einen Pflichttheilsansprllch handelt, der nur gegen den Erben selbst geltend ge-
macht werden darf (§ 2213). Dadurch daß, von jenem Ausnahmefalle abgesehen,
dem Erbschaftsgläubiger die Wahl gegeben ist, ob er gegen den Erben oder gegen
den Testamentsvollstrecker Vorgehen will, ist ihm der Weg eröffnet, seine Forderung
gegen den einzuklagen, der die Mittel zu ihrer Befriedigung in den Händen hat.
Hierzu bestimmt die Novelle zur C.P.O. (§§ 327, 748 neue Fassung)
ergänzend, daß, wenn der Testamentsvollstrecker zur Führung des Rechtsstreits
berechtigt ist, das Urtheil für und gegen den Erben wirkt und daß zur Zwangs-

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