Full text: Volume (Bd. 9 (1899))

44 Frese, Die künftige Thätigkeit des Nachlaßgerichts.
84. Auch in anderen Fällen kann das Nachlaßgericht jemandem insvweit,
als er ein berechtigtes Interesse glaubhaft macht, eine Abschrift aus den Akten
ertheilcn; die Abschrift ist auf Verlangen zu beglaubigen (freiw. G.G. 8 34 S. 2).
85. Wer ein rechtliches Interesse glaubhaft macht, kann verlangen, daß ihm
das Nachlaßgericht von den Zeugnissen Nr. 75—79 oder von den Verfügungen
Nr. 56, 57, 60 und 64 eine Ausfertigung ertheilt (freiw. G.G. 8 85).
Zweiter Abschnitt.
Das Verfahren des Nachlaßgrrichts.
Die Thätigkeit, die das Gesetz dem Nachlaßgericht überträgt, ist sehr vielge-,
staltig, und dem entsprechend ist auch das Verfahren in den einzelnen Fällen sehr
verschieden. In vielen Fällen beschränkt sich die Thätigkeit auf einzelne Hand-
lungen, dagegen erfordern manche dem Nachlaßgerichte übertragene Geschäfte ein
ganz besonderes, eine Reihe von Einzelhandlungen umfassendes Verfahren.
A.
Das Verfahren im Allgemeinen.
Für die dem Nachlaßgerichte obliegenden Verrichtungen sind die Amtsgerichte
zuständig (freiw. G.G. 8 72).™) Die örtliche Zuständigkeit bestimmt sich nach
der Zeit des Erbfalls, und zwar ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirke der
Erblasser zu dieser Zeit seinen Wohnsitz hatte. In Ermangelung dessen tritt an
die Stelle das Gericht des Aufenthaltsortes oder, wenn der Erblasser ein Deut-
scher war, das seines letzten inländischen Wohnsitzes oder das von der Landesjustiz-
verwaltung oder von dem Reichskanzler bestimmte Gericht. War der Erblasser
ein Ausländer, der im Jnlande weder Wohnsitz, noch Aufenthalt hatte, dessen im
Jnlande befindlicher Nachlaß aber nach Art. 25 und 28 deS E.G.'s z. D. G.B.
dem inländischen Rechte unterliegt, so ist jedes Gericht, in dessen Bezirke sich Nach-
laßgegenstände befinden, in Ansehung aller im Jnlande befindlichen (D. G.B.
2369 Abs. 2) Nachlaßgegenstände zuständig (fteiw. G.G. 8 73). Unter meh-
reren zuständigen Gerichten entscheidet die Prävention (freist. G.G. 8 4). Im
übrigen gelten auch hier die Vorschriften in 88 3, 5 und 7 d. freiw. G.G. Für
die Sicherung des Nachlasses in den Fällen Nr. 20—22 ist neben dem Nachlaß-
gerichte jedes Amtsgericht zuständig, in dessen Bezirke das Bedürfniß der Fürsorge
hervortritt (fteiw. G.G. 8 74).
Wenn eS sich um Herbciziehung und Eröffnung einer Verfügung von Todes-
wegen (Nr. 1, 2, 4, 5), Feststellung des Erbrechts des Fiskus (Nr. 18), Siche-
rung eines Nachlasses (Nr. 20—22), Führung.der Nachlaßpflegschaft (Nr. 24),
Aufhebung einer Nachlaßverwaltung (Nr. 37) oder um die Bestellung eines Pfle-

16) Der Vorbehalt in Art. 147 des Einf.G. z. D. G.B. und in 8 183 der freiw. G.G.
ist für Sachsen ohne Bedeutung.

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