Full text: Volume (Bd. 9 (1899))

13.2. Landsberg, E., Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft.

Literatur.

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In Berücksichtigung des Umstandes, daß die wissenschaftliche Forschung sowie die
Lösung von Streitfragen auf dem Gebiete des neuen Rechts die Kenntniß von dessen Grund-
zügen voraussetzen, war es der Zweck der von einem erfahrenen Praktiker für die im prak-
tischen Leben thätigen Juristen gehaltenen Vorträge, einen Ueberblick über die Grundzüge des
neuen Rechts unter Hervorhebung der Abweichungen vom geltenden zu geben. Jedes Ein-
gehen auf Streit- und Rebenftagen sowie rein formale Bestimmungen, deren Erfassung
lediglich Gedächtnißsache ist, hätte durch Beeinträchtigung der Klarheit und Uebersichtlichkeit
den Lehrzweck geschädigt und wurde daher ebenso vermieden wie die Heranziehnng der Lite-
ratur. Dadurch wurde es ermöglicht, eine durch Kürze und Schärfe sich gleich auszeichnende
Entwickelung zu geben, die auf 600 Seiten nicht nur das Recht des B.G.B. sondern auch
noch die zum Vergleiche vorangestellten Grundsätze des preußischen und gemeinen Rechts um-
faßt. Die geschichtliche Entwicklung der wesentlichen Rechtsbegriffe ist dabei nicht etwa voll-
ständig übergangen, aber auf dasjenige geringste Maaß zusammengedrängt, das zum Ver-
ständnisse des Rechtsbegriffs erforderlich ist. Ein großer Vortheil vorliegender Vortrags-
sammlung vor andern, z. B. denen von Eck, Weyl, Hellmann, Hachenburg u. a liegt darin,
daß Verfasser die Bearbeitung bis zum Erlaß der Reichsnebengesetze, der Novellen zur C.P.O.
und K O., der Gesetze über Zwangsversteigerung und freiwillige Gerichtsbarkeit, der Grund-
buchordnung und des neuen H.G.B.'s verzögert hat; sie alle sind eingehend in den Kreis
der Darstellung gezogen.
Entsprechend dem übrigen Umfange umfaßt die geschichtliche Einleitung auf 10 Seiten
die Entstehung des B.G.B. in großen Zügen.
Phillers Werk gibt nicht eine systematische Entwicklung des gesummten Inhalts des
B.G.B.'s, wie in der Vorrede ausdrücklich hervorgehoben wird. Dasselbe soll neben dem
Gesetze der Erläuterung dienen, bei dem Gesetzstudium ist daher die Heranziehung des Ge-
setzbuchs selbst unvermeidlich. Dem Lehrzwecke dürfte eine solche Anordnung vollkommen
entsprechen. Dem genügt auch die Beschränkung der. Register auf dasjenige der Gesetz-
paragraphen. Coermann, Amtsrichter in Mülhausen i. E.
Geschichte der Deutschen Rechtswissenschaft. Dritte Abtheilung von Ernst Lands-
berg. Erster Halbband, Text. Fortsetzung zu der Geschichte der Deutschen Rechtswissen-
schaft, erste und zweite Abtheilung von R. Stintzing. München und Leipzig 1898.
Druck und Verlag von R. Oldenbourg. 8 M 75 Dazu ein Halbband Noten
5 Jl 25 xA
Als achtzehnter Band der auf Veranlassung und mit Unterstützung Sr. Majestät des
Königs von Bayern Maximilian II. durch die Historische Kommission bei der Kgl. Akademie
der Wissenschaften herausgegebenen Geschichte der Wissenschaften in Deutschland, Neuere Zeit,
ist 1680 und 1684 in zwei Abtheilungen die Geschichte der Deutschen Rechtswissenschaft von
Roderich von Stintzing erschienen und in der zweiten, nach Stintzings Tode von Ernst
Landsberg herausgegebenen Abtheilung bis zum Jahre 1760 fortgeführt.
Die auf zwei Halbbände berechnete Fortsetzung, deren vorliegender erster Theil das
18. Jahrhundert umfaßt, soll bis zum neuen Reich und der durch seine Gesetzgebung bedingten
Gestalt der heutigen Rechtswissenschaft abschließend Vordringen. Sie ist das ausschließliche
Werk des Verfassers, da Stintzing keinerlei Vorarbeiten hinterlassen hat. Sie schließt sich
sowohl in den Aeußerlichkeiten der Darstellung, als auch innerlich durch den Aufbau nach
der biographischen Methode an die ersten Bände an, doch tritt die äußere Biographie stark
zurück, auch ist bei der Gruppirung der Gelehrten und ihrer Werke mehr auf die inneren
Zusammenhänge Rücksicht genommen und durch Verweisung des Beiwerks und mancherlei
sachlicher Ergänzungen in einen Beilageband Kürze und Uebersichtlichkeit des Ganzen geför-
dert worden.

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