Volltext: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 9 (1899))

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Literatur.

Baumgartner. Bd. I. Lieferung 1—3. Selbstverlag des Verfassers. Straßburg
1897/98. Vollständig in 60 Lieferungen.
Das Werk fällt in doppelter Beziehung auf: einmal durch die Form der Rechts-
entwickelung, dann durch den Rechtskreis, der zum Gegenstand der Bearbeitung gemacht
ist. Die lexikographische Darstellung ist wegen der unvermeidlichen Wiederholungen und der
Abgrenzungsschwierigkeiten in einander übergehender Begriffe in der juristischen Litteratur
wenig beliebt. Nach der Angabe des Vorworts hat sie der Verfasser gewählt, weil er in
derselben eine wesentliche Erhöhung der Brauchbarkeit seines Werkes erblickt.
Tie Auffassung des Versicherungsbegrifss im ausgedehntesten Sinne hat der Bearbeitung
ein sehr weites Feld eröffnet. Bei der Verschiedenartigkeit der Versicherungen, sowie der sie
betreffenden Gesetzgebung müßte deren Aneinanderreihung befremdlich erscheinen, wenn nicht
von einer systematischen Ordnung des behandelten Stoffes Abstand genommen wäre. Zur
Darstellung gelangt nicht allein das deutsche Recht, sondern auch dasjenige fast aller civili-
sirten Staaten der Welt. Der geschichtlichen Einleitung schließt sich bei jedem bedeutenderen
Begriffe eine Zusammenstellung der gesammten einschlägigen Gesetzgebung an, der eine theo-
retische Rechtsentwickelung unter Verwerthung von Rechtsprechung und Litteratur folgt. Da-
neben ist den besonders für die Versicherungsgesellschaften bedeutsamen mathematischen und
statistischen Wissenschaften ein großes Gebiet eingeräumt, das insbesondere die Brauchbarkeit
des Werkes für Handel und Industrie zu heben bestimmt ist.
Die vorliegenden Hefte gewähren nur einen theilweisen Ueberblick über die Art der
Bearbeitung. Von größeren Artikeln sind hervorzuheben diejenigen über „Abreden"
Seite 2—61 und „Agent" Seite 170—198. Staunenswerth reichhaltig ist die Sammlung
der Gesetzesbestimmungen über ersteren Begriff. Die theoretische Bearbeitung — „Doktrin"
überschrieben — umfaßt allerdings nur das deutsche Recht, dieses aber mit großer Gründ-
lichkeit. Von einer Hervorhebung des allen Gesetzgebungen gemeinsamen, d. i. des inter-
nationalen Rechts ist leider Abstand genommen. Nachdem der schwierigere Theil einer der-
artigen Darstellung aber durch den Verfasser erledigt ist, ist eine zusammenhängende Ent-
wickelung des gesammten internationalen Rechts im Versicherungswesen wünschenswerth und
zu hoffeil, daß sich der auf diesem Gebiete so sehr bewanderte Verfasser auch dieser Aufgabe
unterziehe. Bei dem Artikel „Allgemeine Versicherungsbedingungeil" sind die Statuten der
privaten unb öffentlichen Feuerversicherungsanstalten, der Hagelversicherungsgesellschaften und
ähnlicher angeführt.
Amtsrichter Co ermann, Mülhausen i. E.
Das Reichshafipflichtgesetz vom 7. Juni 1871. Textausgabe mit Anmerkungen und
Sachregister nebst einem Anhang: „Die einschlägigen Bestimmungen anderer Reichs-
gesetze" von W. Coermann, Kais. Amtsrichter in Bolchen. Berlin 1698. Verlag
von Siemenroth & Troschel. 159 S. Preis 1 M.
Diese nach der Absicht des Verfassers in erster Linie für die Praxis der Gerichte und
Anwälte, sowie des Gewerbestandes bestimmte, sehr brauchbare Ausgabe bietet nach einer
auch die „allgemeinen Motive" enthaltenden Einleitung den Text des Reichshaftpflichtgesetzes
nebst den einschlagenden Bestimmungen der RGew.O., des Eisenbahnpostgesetzes vom 20. Dez.
1875, des Reichsfürsorgegesetzes vom 15. März 1886, der Unfallversicherungsgesetze vom
6. Juli 1884, 28. Mai 1685, 5. Mai 1686, 11. und 13. Juli 1687, des Deutschen B.G.B.s
und in den beigegebenen Anmerkungen eine ziemlich vollständige Zusammenstellung der bei
der praktischeil Anwendung des Gesetzes hervorgetretenen Auslegungsfragen unter Kenn-
zeichnung der Unterschiede, welche der am 1. Januar 1900 in Kraft tretende, übrigens an
den einzelnen Stellen neben dem gegenwärtig geltenden eingefügte, neue Wortlaut des Gesetzes
zur Folge haben wird.

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