Full text: Volume (Bd. 20 (1861))

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Die Lehre von den Mäklern.
des Art. 68 den Mäklern verboten und vor Umgehungen dieser
Bestimmungen ist auch Nr. 6 ein sehr schwacher Schutz. Diese
Bestimmung ist daher in jedem Fall überflüssig.
Will man aber auch den Mäklern untersagen, für auswärtige
Kaufleute Aufträge anzunehmen, was, wie gesagt, nicht gerecht-
fertigt erscheint, so geht doch der Entwurf auch dann noch zu weit.
Der Berliner Kaufmann, welcher in seiner Villa im Thiergarten
wohnt, wird nach Nr. 6 des Entwurfs, welcher die persönliche
Entgegennahme der Aufträge fordert, gehindert, dem Berliner
Mäkler seine Aufträge durch ein paar Zeilen in die Stadt zu
schicken; der Kaufmann, welcher krank in seinem Schlafzimmer liegt,
wird gehindert, dem im Vorzimmer befindlichen Mäkler seine Auf-
träge sagen zu lasten. Man wendet ein, in solchen Fällen könne
der Kaufmann die Aufträge durch einen Bevollmächtigten dem Mäkler
zustellen, aber wozu dem Kaufmann diese Weitläufigkeiten schaffen?
Und was soll geschehen, wenn er keinen Bevollmächtigten hat, was
doch bei Kaufleuten, die ein mäßiges Geschäft haben, gar oft der
Fall ist. Oder wenn der Berliner Kaufmann, der im Thiergarten
wohnt, in der Stadt ein Getreidegeschäft und nur für dieses ein
Handlungspersonal hat, außerdem aber mit einem Separatkapital
Aktiengeschäfte treibt, in welche sein Bevollmächtigter weder einge-
weiht ist, noch zu deren Abschluß er Vollmacht hat? Das Gesetz
würde in diesen Fällen einheimische Kaufleute zwingen, sich an einen
Kommissionär zu wenden und dadurch den Kaufleuten eine Be-
schränkung auferlegen, deren Zweckmäßigkeit ihnen keineswegs ein-
leuchten dürfte. Würde man sich entschließen, diese Beschränkung
der Handelsmäkler, die natürlich praktisch wieder nur ein Privi-
leg der unvereideten Mäkler sein wird, zu streichen, so würde die
Schlußbestimmung von Nr. 6, daß den Handelsmäklern nicht er-
laubt sein solle, sich zur Vermittlung eines anderweitigen Unter-
händlers zu bedienen, sich zweckmäßig mit Nr. 4 verbinden lasten.
Wollte man eine consequente Beschränkung der Mäkler auf den
eigentlichen Platzhandel, so müßte man ihnen ja auch verbieten,
Geschäfte mit anwesenden Auswärtigen zu unterhandeln, was auch
wirklich in partikulären Mäklerordnungen zum Vortheile der Kom-
missionäre manchmal geschehen ist.
Daß eine solche Beschränkung aber verwerflich und durch nichts

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