Full text: Volume (Bd. 20 (1861))

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Die Lehre von den Mäklern.
delsverkehr unerheblich, dieß sei um so mehr der Fall, seitdem durch
Eisenbahnen und Telegraphen die örtliche Entfernung kein Hinder-
niß mehr sei für die Communication der einzelnen HandelspläHe,
seitdem ganz Europa gleichsam ein und derselbe Markt geworden,
und überall dieselben Preisschwankungen fast zu gleicher Zeit ein-
treten. Die Interessen der Kaufleute seien daher keineswegs ge-
fährdet, wenn der Mäkler auch ein eigenes Interesse am Sinken
oder Steigen der Preise habe, da ihm seine Stellung Einfluß dar-
auf nicht gestatte.
Dagegen enthalte das Verbot des Eigenhandels der Mäkler
eine empfindliche Beschränkung für den Handel. Wenn der Mäkler
bei den von ihm vermittelten Geschäften dazwischen treten und mit
beiden Parteien selbst contrahiren könne, so daß dem Käufer der
Name des wirklichen Verkäufers, dem Verkäufer der des wirklichen
Käufers verborgen bleibe, so würden die Geschäfte eine Art von
Anonymität erhalten, die dem Interesse deS Handels sehr entspräche.
Der bloße Umstand, daß der eine oder andere Kaufmann eine
Waare kauft oder verkauft, von dem man weiß, daß er sehr gut
unterrichtet zu sein pflegt, oder daß er mit den Coryphärn der Han-
delswelt in enger Verbindung steht, wirke oft mehr auf den momen-
tanen Stand der Preise, als wirkliche Nachfrage oder Angebot.
Vom Handel gelte mehr wie anderswo die Regel si duo idem
faciunt, non est idem. Einem solchen Kaufmann sei es oft unmög-
lich, seine Geschäfte vollständig auszuführen oder die Gunst der Ver-
hältnisse, so wie sie sich darbietet, ungeschmälert zu benützen.
Aber auch, wenn diese Verhältnisse nicht vorliegen, sei es dem
Kaufmann oft darum zu thun, Art und Umfang seines Geschäfts
zu cachiren, und es sei dazu nichts geeigneter, als wenn der Mäk-
ler, dessen Dienste der Kaufmann ohnehin beanspruchen müsse, selbst
zwischen ihn und den Mitcontrahenten trete. Handel und Verkehr
würden dadurch, behauptet man, eine Discretion gewinnen, welche
höchst ersprießlich wäre.
Abgesehen hiervon aber sei es kleinen Kaufleuten und Anfän-
gern, deren Credit nicht befestigt ist, oft bei der größten Reellität
und dem besten Willen nicht möglich, Geschäfte, namentlich soge-
nannte Zeitgeschäfte zu machen. Ihnen liegt daher unendlich viel
daran, daß ein Mäkler, welcher einerseits ihnen traut und der an-
dererseits das allgemeine Vertrauen besitzt, entweder dazwischen

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