Full text: Volume (Bd. 20 (1861))

250

Geßler:
nicht blos für physische und intellektuelle Urheber, sondern auch für
Gehülfen angedroht, während bei Versuch des Mords die Strafe
des gemeinen Todtschlags, und bei versuchtem Todtschlag niedrigere
Strafen (Ruthen-Ausstreichen, Verweisen, Bannung, Verbiettung
der Wehr und offener Zechen) stattfinden sollen 56).
Eine Ergänzung findet die P.G.O. darin, daß bei dem Fall
des error in persona, mit ausdrücklicher Bezugnahme auf die gleiche
Entscheidung der sächfischeu Constitutionen von 1572, Vollendung
angenommen wird, und daß der Umstand, ob der Entleibte zuvor
schon von einem Andern verwundet gewesen, für unerheblich er-
klärt wird.
Keine bestimmten Monkente für die Auffassung, welche zn Grunde
liegt, liefert der Entwurf bei der Vergiftung, indem die Worte
lauten:
„so auß bößem Fürsatz durch Arzneien Jemand tobten oder
mit Venen und Gift heimlich vergeben";
doch scheinen die Worte in Verbindung mit dem Ausdruck der Mo-
tive: „der Mord sei mit Arzneien oder Gift oder Wöhr und Waf-
fen begangen worden", darauf schließen zu laffen, daß der Eintritt
des Tods oder doch die Absicht zu tödten zur Radstrafe auch bei
Gift gehört.
Die Strafbestimmungen über den Kindsmord sind gleich
der P.G.O. Art. 131. getroffen und wird als genügend zur Ver-
hängung von Folter betrachtet das Zusammentreffen der Anzeige
eines anfänglichen Läugnens der Niederkunft, der heimlichen Nieder-
kunft, der eigenen gefahrvollen Ablösung des Kinds von dem Leibe
der Mutter.
Ueber Tödtung in Raufhändelu sind die Bestimmungen,
gleich dem Inhalt des Art. 148 der P.G.O., gegeben, ohne daß
dieser selbst hiedurch näher erläutert wird.
Besonders hervorgehoben, mit Berufung auf die sächsische Ord-
nung, sind die Fälle der Tödtung von Kranken durch die zu ihrer
Pflege Verordneten. Für die Versäumniß der Wartung und den
55) "Welche zu einem gemeinen Todtschlag durch Geheiß oder Bestellung falscher
Ahnndschafft aufruhr und dergleichen große Ursache geben und möglichste-
Fleiß geholfen, wenn sie gleich für sich selbst niemanden umgebracht."
56) über die Auffasiung der Strafbarkeit de- Versuch- durch die frühere
württembergische Praxi- Lre^er, I. c. §. 52. 53. 59. 63.

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