Full text: Volume (Bd. 20 (1861))

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Thudichum:
ehelich Weib zu einer Wittwe, und deine Kinder zu Waisen; und
theile alle Lehen die du hast ihren Herrn ledig und los, und erlaube
dich d^i Vögeln in den Lüften, den Thieren in dem Wald, den
Fischen in der Woge, und sedermänniglich, also daß Niemand an
dir freveln kann noch soll, der dich angreift"18), worauf der Rich-
ter den Stab zerbrach, oder den Achtzettel zerriß. Der Aechter,
oder wie wir setzt zu sagen pflegen, der Geächtete, verlor alles
Recht. Der Kläger konnte ihn überall verhaften, und wenn er sich
zur Wehre setzte, erschlagen. Wer ihn speiste, tränkte, beherbergte,
fiel in Strafe '^), nach neuerem Recht sogar in Strafe der Acht.
In das Vermögen des Aechters wurde der Kläger eingesetzt. Aber
der Aechter konnte sich allezeit aus der Acht ziehen, wenn er dem
Verletzten Entschädigung bot und leistete; der Verletzte mußte sich
dieselbe gefallen lassen (K.G.O. von 1555, 2, 18), sogar wenn
Jahr und Tag darüber verflossen war. Die Acht wirkte nur als
Nöthigung, sich mit dem Gegner abzufinden. Seine Lehen verlor
ein Reichsstand damit nicht. Ausdrücklich bestimmte dies die Ord-
nung des Reichsregiments von 1521 8. 7, und die K.G.O. von
1555 2, 7 mit den Worten: „Ob auch Sachen fürfielen, Fürsten-
thum, Herzogthum, Grafschaft re. belangend, so vom Reich zu Lehen
rühren, so einem Theil gänzlich und endlich abgesprochen wer-
den sollen, derselbigen Erkäntniß wollen wir der kaiserlichen Maje-
stät hierinn (doch sonst in andern Sachen dieser Ordnung unab-
brüchig) Vorbehalten haben, doch dieselbe aus dem Reich Deutscher
Nation nicht ziehen". Hiermit war also sowohl dem Regiment als
dem Kammergericht das Erkenntniß in diesen Sachen entzogen, und
dem Kaiser nebst einem Fürstengericht Vorbehalten.
Nicht blos in Landfriedensbruchsachen, sondern noch in einer
Reihe anderer Fälle konnte das Kammergericht unmittelbar ange-
gangen werden, war es ein Gericht erster Instanz. Untertha-
nen dagegen sollten regelmäßig erst bei den Landesgerichten Recht
suchen, von deren Urtheil ihnen dann Appellation an's Kammerge-

18) Dies erkennt auch der Landfriede von 1495 §. 3 ausdrücklich als Folgen
der Acht. Achtformeln sind zusammengestellt bei Grimm, R. A. 39.
19) Auch, denjenigen Fürsten und Städten, welche Privilegien besaßen Aechter
zu enthalten, sollte hinfort nicht erlaubt sein, die durch Urtheil des Kam-
mergerichts Geächteten aufzunehmen. K.G.O. von 1495 Art. 30.

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