Full text: Volume (Bd. 20 (1861))

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Zur Geschichte der Civilehe.
Ehegesetzgebung deutlich vor. Erstlich Berücksichtigung der elterli-
chen'Einwilligung, zweitens Publicität der Ehe. Diesen Zwecken
entsprechen auch die betreffenden Gesetze, von welchen wir nur nen-
nen wollen21) die Ordonnance de Blois Mai 1579, Declaration
Ludwigs XIII. vom 26. November 1639 und das Edikt Ludwig
XIV. vom März 1697. Aus der Ordonnanz 1579 enthalten die
Art. 40—44 die Grundlage für die folgende Gesetzgebung und sind
mehrmals bestätigt worden. In Bezug auf Einwilligung der Eltern
wird sorgfältige Nachfrage vorgeschrieben. Für den Zweck der Pub-
licität der Ehen werden die kirchlichen Solennitäten (welche das
Tridentiner Concil nach Art der älteren Kirche nur empfohlen, nicht
wesentlich vorgeschrieben hatte) obligatorisch anbefohlen. Außerdem
werden vier Zeugen verlangt, deren volle Zahl aber von der Ju-
risprudenz nicht festgehalten worden ist. Die neueren unter den
angeführten Gesetzen heben besonders hervor, daß die kirchliche
Solennisirung der Ehe nur von dem kompetenten Pfarrer bewirkt
werden dürfe. Für die Geistlichen, welche sich erlauben, andere
als ihre Parochianen zu copuliren, werden in dem Gesetz von 1697
bestimmte harte Strafen angedroht. Auf diesem Wege wurde also
die Eheschließung durch die bürgerlichen Gesetze dem Standpunkt der
Tridentinischen Vorschriften genähert, wobei aber doch Gelegenheit
zu Differenzen übrig blieb. Die eine beruhte darauf, daß das
Gesetz die Einwilligung der Eltern verlangte. Die andere konnte
eintreten, wenn durch Ueberraschung oder Connivenz des Pfarrers
ein Paar mittelst Erklärung vor Pfarrer und Zeugen ohne kirch-
liche Solennität den Ehebund geschlossen hatte. Die Kirche mußte
solche Ehe anerkennen, weil sie den wesentlichen Forderungen des
Tridentini entsprach; der Staat hielt sie für ungültig, weil die kirch-
liche Solennität fehlte. Es war ein ähnliches zweideutiges Ver-
hältniß, wie bei den feierlich geschloffenen heimlich gehaltenen Ehen,
ein matrimonium ratum, non legitimum.
Indem die weltliche Gesetzgebung die Erfordernisse der Ehe-
schließung regelte, folgte daraus, daß den weltlichen Gerichten, na-
mentlich den Parlamenten, Jurisdiction in Ehesachen zustande,

27) Neron et Girard T. I. p. 508. 901. T. Ü. p. 287.
28) Der Can. 12. Sess. XXIV. Concil. Trident, ist direct nicht entgegen,
scheint aber doch die Jurisdiction der Kirche ausschließlich vorzubehalten.

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