Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

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Richter:

gen, Aber wissen vnd entpfahen noch keyne besoldung. l)o-
ctor Jonas der probst hat für gut angesehen , das seins abwe-
sens Doctor Sebaldt von den andern zu den selben Sachen vnd
Handlungen getzogen werde , Das wird et also bescheen , vnd
E. churf. gn. an Zweyfel nitt zuwider seyn.“
Hieraus, wie aus den eigenen Worten der unten anzuführenden
„Constitution und Artikel" von 1542 ergiebt sich, daß allerdings
seit dem Jahre 1539 in Wittenberg unter Luther's Beifall eine von
dem Kurfürsten bestellte Behörde für die Ehesachen bestan-
den habe, während die später den Consistorien überwiesenen Geschäfte
durch die Visitatoren verhandelt wurden; dagegen folgt weder, daß
Pontanus selbst den Versuch eines Consistoriums ge-
macht habe, noch, was auch bei Stahl sich findet, daß Brück die
Consistorien erwähne „als eine Einrichtung zum Zwecke der Kirchen-
zucht, die Visitation wirksamer zu machen." Eine Ordnung jener
von Brück erwähnten Behörde aufzufinden, ist zwar bis jetzt noch
nicht geglückt; daß jedoch wirklich eine solche vorhanden gewesen sein
müsse, zeigt u. a. das oben schon erwähnte Wittenberger Gutachten
vom Jahr 1541 über das Biöthum Naumburg im Corp. Ref. IV.
691, worin von dem Fürsten Georg von Anhalt erzählt wird, daß er
einen Superintendenten und Consistorium in seinem Lande aufzurich-
ten sich entschlossen und gebeten habe, „man wolle ihm die Ordnung
allhie des Consistoriums sehen lassen, bei welcher er bleiben wollt."—
Die definitive Errichtung des Consistoriums erfolgte aber erst im
Jahre 1542, doch enthalten die „Constitution und Artikel des geist-
lichen Consistorii zu Wittenbergk re., durch Georgen Buchholtzer ...
in den Druck gegeben Anno ... 1563" nicht die landesherrliche
Constitutionsurkunde selbst, von der Buchholtzer erzählt, sie sei im
Kriege verloren gegangen, sondern lediglich den zweiten, mit unserem
oben abgedruckten Gutachten in der Regel wörtlich übereinstimmen-
den Entwurf, ausgearbeitet von Luther, Bngenhagen, Jonas, Creu«
ziger und Melanthon von geistlicher, Schurff, Pontanus und Pau-
lus von weltlicher Seite. — Die weitere Entwickelung der sächsischen
Verfaffung nachzuweisen und bis zu dem Zeitpunkte zu verfolgen,
wo sie sich der Consistorien in ihrer ursprünglichen Bedeutung ganz
entäußert hat, ist hier nicht der Ort; es kann vielmehr rücksichtlich
des älteren Rechts auf Weber, für das neuere, von Stahl ganz ig-
norirte, aus die Verordnung über die veränderte Organisation der

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