Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

Ueberflcht d. deutschrechtl. Schriften v. I. 1840. 371

Theilweise im Gegensatz zu diesen Richtungen ist aufgetreten
F. G. Puchta, Recht der Kirche. Leipzig, bei Breitkopf
und Härtel.
indem er das Collegialsystem nicht bloß in dem Wesen der evange-
lischen Kirche, sondern auch in dem jetzt bestehenden Rechte dersel-
ben begründet findet. Die Landesherren führen hiernach das Kir-
chenregimcnt nicht als Landesherren; in ihrer Gewalt liegt der
Schutz der rechtlichen Ordnung, aber nicht das Kirchenregiment.
Sie haben die Kirchengewalt als ein Amt der Kirche, dies soll der
Name des jus episcopale aus drücken, gegen den man oft mit Un-
verstand geeifert habe. Zugleich spricht sich der Verfasser zwar für
eine freiere Vertretung der Kirchengemeinden und überhaupt für
Abstellung mancher Kirchengebrechen aus, glaubt aber, daß die
jetzige Verfassung, die für einen gedeihlichen Stand der Kirche nö-
thigen Elemente in sich schließe und daß es daher nicht darauf an-
komme, eine äußere Form mit der anderen zu vertauschen, son-
dern das Innere, Wesentliche und Belebende der Verfassung her-
vorzuheben, zum Bewußtseiir und so zur rechten Wirksamkeit zu
bringen.
Gleichfalls gegen Stahl ist gerichtet die Abhandlung Rich-
ter's in dieser Zeitschrift Band IV. S. 1. Während Puchta
hauptsächlich aus dem Begriff der evangelischen Kirche und allge-
meinen Grundsätzen den Collegialismus als nothwendiges Institut
zu beweisen sucht, kam es Richter zunächst darauf an, aus den
Ansichten der Reformatoren seinen Beweis zu führen und die un-
mittelbare Ausführung derselben in Sachsen darzuthun, dessen Kir-
cheneinrichtungen bekanntlich vielfach das Muster für andere Landes-
kirchen geworden sind.
Es ist wohl gerade in dieser Verbindung gestattet, auch noch
auf folgende .Schrift eines würdigen evangelischen Geistlichen auf-
merksam zu machen.
Die Zukunft der protestantischen Kirche in Deutschland, vom
Standpunkte der württembergischen Verhältnisse aus. Eine
kirchenrechtliche Abhandlung von Karl Wolfs, Pfakper in
Beinstein. Stuttgart, bei Steinkopf.
Wie es gekommen ist, daß auch in Württemberg die proffeftan-
tische Kirchenverfassung in der landesherrlichen Gewalt ihren Halt
suchte, und wie es in der Folge üblich geworden, die eigenthüm-
lichen Rechte der Kirche, welche seiner Ansicht nach ursprünglich
nur in Verbindung mit dem fürstlichen j u s rekormancki gedacht
werden können, in einem unbestimmt engen oder weiten Sinn
Episkopalrechte zu nennen, hat schon Eisenlohr in seiner treffli-
chen Einleitung zu der Sammlung der evangelischen Kirchengesetze
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