Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

570 Reyscher:
teressanten historischen Erörterung Michelsen's in dieser Zeit-
schrift Band HI. S. 89 ft
Im Gebiete des Kirchen staats rechts hat jetzt die Frage
über die Stellung der protestantischen Kirche zum Staate eine große
Bedeutung gewonnen. Namentlich ist es ein Verdienst der erlan-
ger Zeitschrift für Protestantismus und Kirche, von Härtest, zu
Besprechung dieser und ähnlicher Fragen Veranlassung gegeben zu
haben; wobei zwar die bekannten Gegensätze in der Auffassung von
Kirche und Staat und des Lehrbegriffö der Kirche selbst nothwendig
wiederkehren, und zum Theil neue Gegensätze schaffen, aber auch
sich theilweise nähern und aussöhnen. Einem Mitarbeiter des eben-
genannten Blattes verdanken wir folgende Schrift:
Die Kirchenverfassung nach Lehre und Recht der Protestanten,
von Fr. I. Stahl. Erlangen, bei Bläsing.
Der Verfasser ist der Ansicht, die Kirchengewalt in der protestan-
tischen Kirche komme dem Landcssürsten zu, vermöge ihrer Landes-
hoheit, als eine landeösürstliche Gewalt, ein protestantisches Kirchen-
Majestätsrecht, nicht vermöge Devolution als einer bischöflichen
Gewalt; die Landeöfürsten haben nämlich allgemein eine kirchliche
Souverainetät in nicht bloß über der Kirche (?), aber sie haben da-
mit nicht auch Gesetzgebung, Regierung und Gerichtsbarkeit der
Kirche. Diese haben sie nur, theils so weit dieselbe von der kirchli-
chen Souverainetät, dem formellen Begriff nach, untrennbar sind,
theils so weit ihnen ein Antheil daran nach der protestantischen
Lehre (?) vom Majestätsrecht eines evangelischen Fürsten ohnedies
zukommen muß. Die protestantische Kirche habe daher nicht wie
die katholische und die reformirte eine von der Souverainetät des
Staats unterschiedene Souverainetät, wohl aber eine von der Ge-
setzgebung des Staats völlig gesonderte und selbständige Gesetzge-
bung (S. 149). Der besondere Titel der landesfürstlichen Kir-
chengewalt, welchen man sonst in der Uebertragung suchte, wird
geläugnet. Ungeachtet nun aber der Verfasser die bestehende pro-
testantische Kirchenverfaffnng in die Consistorialverfassung setzt, so
gibt er doch zu, und er sucht dies in einem Anhänge (S. 238 f.)
zu beweisen, daß diese angeblich bestehende und rechtlich begründete
Verfassung, eine solche ,,Verschränkung" von Staat und Kirche nicht
der rechte und normale Zustand, sondern nur für das augenblickliche
Bedürfniß wohlthätig und nothwendig sei. Dagegen meint er, daß
die bischöfliche, nicht die Consistorial - und die Presbyterialverfas-
sung, die vollkommen entsprechende und naturgemäße Verfassung auch
für die protestantische Kirche sei, und daß deren Entwicklung, wie
auch die Vereinigung der verschiedenen protestantischen Landeskirchen
zu Einer äußern Kirchengemeinschaft (etwa unter einem neuen Pri-
mate?) einer spätem Zeit Vorbehalten bleibe.

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